SV Oberwart: So wie Totti und Gerrard. Beim in der Vorwoche absolvierten Testspiel gegen Rapid Wien verabschiedete sich auf SVO-Seite eine wahre Legende: Der langjährige Kapitän Marc Farkas sagt Lebewohl!

Von Patrick Bauer. Erstellt am 07. Juli 2021 (11:13)
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Acht Minuten waren gespielt und diese Minute acht hat nicht wegen der prinzipiellen Zeitangabe einen hohen Stellenwert, sondern sollte etwas anderes symbolisieren. Die Nummer acht trug in den letzten 18 Jahren einer, der sich mehr als verdient um den SV Oberwart machte.

Verabschiedung von Farkas

Marc Farkas, seit 2007 dieses Amt ausführend, beendet seine Karriere. Mit sehr viel Applaus wurde er verabschiedet, die gesamte SVO-Ersatzbank stand am anderen Ende Spalier, während am Spielereingangstunnel schon Sportkoordinator Peter Lehner und Kapitäns-Nachfolger Thomas Herrklotz mit einer eingerahmten Dress – selbstredend mit der Acht hinten oben – warteten. „Ich war schon zu Tränen gerührt“, sagt er, der weiß, dass ein wichtiger Lebensteil nun zu Ende geht.

2003 kam der heute 38-jährige gebürtige Unterwarter aus der Admira Wacker Zweier-Mannschaft zum Traditionsverein und verließ diesen nicht mehr. Knapp zwei Dekaden bildete der SVO seine sportliche Heimat. Etwas, was es in Zeiten von Rekordtransfers und stetigen Vereinswechseln nur noch sehr selten gibt. Ohne Frage, dass der Oberwarter Präsident Gerhard Horn die Abschiedsworte an den Richter für Strafsachen am Landesgericht in Wien richtete.

„Als ich ihn ansah, musste ich auch ein paar mal schlucken“, erklärte der heutige Sportkoordinator und frühere Mitspieler Peter Lehner. Einer von sehr vielen ehemaligen Kickern, die vielleicht mit etwas Bauchgrummeln zum ersten Training aufbrachen und von Farkas dort schon mit Freundlichkeit und einem Lächeln begrüßt wurden. Das hilft bekanntlich jedem.

Eine loyale Konstante, die alles mitmachte

„Er hat sich diesen Abschied verdient. Marc ist das, was man am Fußball liebt und was es immer weniger gibt. Er ist der Francesco Totti oder Steven Gerrard im Kleinen. Eine loyale Konstante, die dazu eine prägende Figur darstellt. Wie er für den Verein gearbeitet und diesen mitgetragen hat, ist ganz groß“, huldigte Lehner den Stürmer.

Mitgemacht hat der Jung-Papa – im April wurde Töchterchen Emma geboren – beim Traditionsverein alles, was man nur mitmachen kann. Abstiege, Aufstiege, Südderbys vor vollem Inform-Stadion-Haus und auch viele schwere Momente mit dem SVO. Dieser war nicht immer in den ruhigen Fahrwassern, wie er es heute ist. Viele gingen, Marc Farkas blieb – immer. „Ich blicke auf sehr ereignisreiche Jahre zurück“, übte er sich fast schon im Understatement und ergänzte: „Sehr viele Freuden, aber auch Tränen, die ich nicht missen möchte. Die schönsten Momente waren sicher die Landesliga- und der 2. Liga-Meistertitel, auch die drei Abstiege aus der Ostliga und der eine aus der Landesliga sollen nicht unerwähnt bleiben. Sie sind Teil der Geschichte.“

Zum Abschluss gab es ein besonderes Zuckerl

Der Vollblut-Stürmer, der nie der ganz große Vollstrecker war, ließ andere glänzen. Er schirmte Bälle ab wie kaum ein Zweiter im gesamten Burgenland, arbeitete immer ungemein für die Mannschaft und hatte auch technisch sehr vieles zu bieten. Dennoch trat er schon nach der Rückkehr in die Burgenlandliga 2018 kürzer, wobei er immer da war, wenn er gebraucht wurde.

Die letzten knapp eineinhalb Jahre, die uns alle auf eine harte Probe stellten, beschleunigten nun das Ende. „Die Corona-Pandemie spielte sicher mit, aber auch meine private Situation“, so der stolze Jung-Papa, der am letzten Mittwoch einen ganz besonderen Gast im Stadion begrüßen durfte: „Es erfüllt mich mit großer Freude, dass Emma meine letzten Minuten im Dress des SVO miterleben konnte.“

Nun regiert erst einmal fußballerische Ruhe. Gut möglich, dass er der SVO-Reserve als Zugpferd aushilft, wobei dies vorerst nicht geplant ist. Noch zu prägend sind die Eindrücke vom Rapid-Match, die einen würdigen Abschluss bildeten. Auch für Farkas selbst, der weiß, dass die Fußball-Zeit nicht ewig ist. „Ich möchte mich bei allen beim SVO bedanken, die mir diesen Abschluss ermöglichten.“ Das war auch schwer verdient!