Lukas Zapfel: Der Prototyp des Wirblers. Seit einem Jahr kickt der gebürtige Riedlingsdorfer Lukas Zapfel mittlerweile beim derzeit tabellarisch besten Südteam und ist im Offensiv-Bereich nicht mehr wegzudenken.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 14. Dezember 2020 (01:52)
Erfolgsgeschichte. Lukas Zapfel wechselte im vergangenen Winter aus Oberwart zum SC Pinkafeld und ist seit dieser Hinrunde im SCP-System als erster Pressingspieler nicht mehr wegzudenken.
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Es war der 16. Oktober und eines der letzten Amateur-Spiele im Burgenland dieses Jahres. Der SV Oberwart lud im ehrwürdigen Informstadion zum Derby gegen den Nachbarn aus Pinkafeld (0:1 für den SCP) und trotz der damals schon harten Corona-Auflagen, waren viele gekommen, um den „Clasico“ des Südens genau unter die Lupe zu nehmen. Natürlich blickt man dann bei diversen Kickern, die vielleicht bis dato noch nicht so extrem im Fokus standen, genauer hin.

Einer davon war auf Pinkafelder Seite Offensiv-Allrounder Lukas Zapfel. Dieser war knapp acht Monate zuvor ausgerechnet aus Oberwart die etwas mehr als zehn Kilometer nördlich gewechselt. Die Einsätze beim SVO waren nicht das, was sich der mittlerweile 18-jährige, gebürtig aus Riedlingsdorf stammende Zapfel vorgestellt hatte. Es wurde ein Wechsel, der sich für beide Seiten als ideal herausstellen sollte.

Und dennoch brauchte es auch Anlaufzeit, um beim derzeitigen Zweiten durchzustarten. Das lag im Frühjahr vor allem an Corona, denn viel gekickt wurde nicht. Im Sommer war die Lage dann anders. Mit Maximilian Senft schlug ein neuer Cheftrainer auf und der Traditionsverein hatte vor allem zu Beginn mit diversen Ausfällen zu kämpfen. Stürmer Anze Kosnik zum Beispiel, der weite Teile der Hinrunde mit Wehwehchen zu kämpfen hatte und so ein Platz im Offensiv-Bereich frei wurde. Zapfel war zur Stelle – und lieferte konstant.

Nicht nur Tore, sondern er brachte auch sehr viel Arbeitswillen und Einsatz mit. „Es war schon vorstellbar, dass er sich so entwickelt“, meinte etwa Sektionsleiter Alex Diridl vor etwas mehr als einer Woche und schoss nach: „Es war für uns klar, welch Potenzial er besitzt.“

„Natürlich muss man sich als junger Spieler hohe Ziele setzen. Derzeit bin ich aber Spieler des SC Pinkafeld.“ Lukas Zapfel über etwaige Ambitionen es noch in den Profibereich zu schaffen.

Im 5-3-2-System fühlte sich Zapfel pudelwohl. Defensiv stand man meist kompakt, was im Gegenzug auch den Offensivkräften zugutekommt. Dabei war aller Anfang schwer, denn Zapfel kämpfte selbst mit einer Corona-Infektion, die ihn beschäftigte: „Das war schon ein Rückschlag, aber ich bin überglücklich, wie der Herbst dann verlief“, sagte er und ergänzte: „Für mich war es erst sehr schwer zu verkraften, aber unser Trainerteam schenkte mir Vertrauen, das ich zurückzahlen wollte. Das klappte gut.“

Fünf Tore gelangen dem jungen Wirbler in der bisherigen Erfolgssaison des SCP. „Wir können sehr zufrieden sein, weil es mit der schwierigen Vorbereitung, den Corona-Fällen und Verletzungen schon beeindruckend war, was wir im Verbund leisteten. Highlights waren natürlich das 4:1 gegen Deutschkreutz und der Derbysieg trotz langer Unterzahl.“ Dieses Nachbarschaftstreffen zeigt ganz gut, welche Leistungen Zapfel momentan zu leisten im Stande ist. Trotz einigen sehr erfahrenen Kräften, die teils in der Bundesliga (Christoph Saurer) oder Regionalliga (Thomas Herrklotz und andere) auf sich aufmerksam machten, war der junge Blondschopf mit am prägendsten. Seine Aufgaben ganz vorne?

Erster Pressingspieler sein, der die Innenverteidiger giftig anläuft und auf Fehler lauert. Etwas, was genau dem sportlichen Naturell des Bruders der Riedlingsdorfer Leichtathletin Yvonne Zapfel entspricht. „Ganz alleine vorne habe ich eigentlich zum ersten Mal so gespielt. Mir gefällt das aber richtig gut. Jeder kennt bei uns seine Aufgaben.“ Diese sind anspruchsvoll und es brauchte auch Eigeninitiative. „Ich habe im ersten Lockdown an so manchen Schwächen gearbeitet“, erklärte er und fügte an: „Der Schritt nach Pinkafeld war spätestens seit diesem Herbst auf jeden Fall richtig. Als junger Kicker braucht man Einsatzminuten, auch um sich weiterzuentwickeln. Es ist sehr schade, dass die Saison unterbrochen wurde, denn ich war richtig gut drauf.“

Ein Spielertyp, der Kun Aguero ähnelt

Zustimmung, denn solche Spielertypen, die ganz vorne als Stürmer agieren, sind selten und Zapfel, der mit sehr viel Selbstvertrauen ausgestattet war, zeigt, wie man die Position im Angriff auch anders interpretieren kann. Wie Kun Aguero von Manchester City zum Beispiel, der auf anderem Niveau durchaus Ähnlichkeiten mit dem Blondschopf aufweist.

Wohin führt der Weg? Gar Richtung Profibereich? „Natürlich muss man sich als junger Spieler hohe Ziele setzen, aber derzeit bin ich Spieler des SC Pinkafeld und da schaue ich nur von Spiel zu Spiel und von Trainingseinheit zu Trainingseinheit.“ Die genau richtige Einstellung, um es nach ganz oben zu schaffen. Dass das beim SCP keine Utopie sein muss, weiß der junge Mann mit Augenzwinkern: „Wir haben ja noch gar nicht gezeigt, was wir wirklich können.“ Nachsatz: „Alleine wenn man das Deutschkreutz-Spiel hernimmt, sieht man, dass wir durchaus reif für Größeres wären.“