Thorsten Schriebl: Vorbei mit der Zanglerei. Der gebürtige Oberwarter Thorsten Schriebl mauserte sich in den vergangenen Monaten zu einem Schlüsselspieler beim 2. Liga-Winterkönig. Beendet soll die Reise nicht sein.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 27. Dezember 2020 (01:17)
Der Blick fürs Außergewöhnliche. Thorsten Schriebl, 22, ist im österreichischen Fußball (fast) ganz oben angekommen. Das verdankt er auch seinem begnadeten rechten „Pratzerl“, das bei Standards oder etwaigen Umschalt-Momenten Gold wert sein kann. In Lafnitz mauserte er sich in der so überragenden Hinrunde zu einem Schlüsselspieler, der den Unterschied ausmachen kann. Das nächste Ziel ist so klar definiert: Bundesliga, auch um sich mit den ganz großen Vereinen des Landes zu messen.
Attila Farkas

Es waren schon besondere Zeiten, als der SV Stegersbach vor wenigen Jahren die Burgenlandliga verzauberte. Nicht weil man tabellarisch immer zwingend die erste Geige spielte, sondern fußballerisch über jeden Zweifel erhaben war. Angeführt von Trainer Max Karner und Führungsspielern wie Daniel Siegl oder Michael Daum, konnten junge Kräfte ihr Potenzial andeuten und phasenweise auch entfalten. Einer davon? Thorsten Schriebl, der wegen seiner technischen Fähigkeiten schon damals im gesamten Burgenland für offene Münder sorgte.

Seit dieser Zeit ist viel passiert. Der SV Stegersbach steckt mitten im 2. Liga-Abstiegskampf und diese fußballerisch große SVS-Zeit scheint zumindest vorerst der Vergangenheit anzugehören. Genau konträr verlief der Weg des gebürtigen Oberwarters Schriebl. Dieser wechselte nach Lafnitz und steht dort zum Jahresende 2020 auf Platz eins der 2. Bundesliga-Tabelle. „In dieser Liga kann jeder jeden schlagen, aber es war dann schon über weite Strecken so, dass wir sehr souverän auftraten und wir früh merkten, dass da was gehen könnte“, sagt der 22-jährige Sport-Student im ersten Semester zur BVZ.

Das Spiel umstellen war die Aufgabe

Nur nach oben ging es für Schriebl nicht. Im Nachwuchs lernte er beim SV Oberwart, kickte damals auch im LAZ, wechselte dann 2013 für ein Jahr zum SC Mariasdorf, ehe der SK Unterschützen rief, wo er sich dann erste wirkliche Sporen im Kampfmannschafts-Betrieb verdiente. Das Potenzial war dabei immer unverkennbar und auch das Besondere, das nur wenige Fußballer mitbringen. Eine Körpertäuschung hier, ein Gurkerl dort, ein Zuckerpass da – Dinge, die Schriebl wie kaum ein Zweiter beherrscht. Nur mit dem Zangeln funktioniert der moderne Fußball aber nicht und so war sein Platz in der ersten Elf nach seinem Stegersbach-Wechsel 2016 nicht stets einzementiert. Ein Lernprozess, der oft schmerzhaft war. „Ich war technisch immer gut und ein typischer Zangler, aber ich musste dann vor allem in Lafnitz lernen, defensiv mitzuarbeiten und auch konzentriert zu bleiben. Die Offensive kommt dann von alleine.“ Zweikämpfe führen und diese auch noch gewinnen: für einen klassischen Zehner nicht zwingend die Lieblingsdisziplin. Schriebl biss sich aber durch, war auch in Stegersbach irgendwann kaum zu ersetzen und die Aufgabe in der Steiermark rief. „Es war der richtige Schritt“, sagt er. „Die Lage ist top und die Kameradschaft ein Wahnsinn. Wir sind dort wie eine kleine Familie, wo sich vom Cheftrainer bis zum Zeugwart alle verstehen. Der Schmäh rennt dann schon richtig gut.“

Der Karriereplan sieht die Bundesliga vor

Weil man sich kennt. Amateure-Trainer Klaus Guger trainierte Schriebl etwa im LAZ, der mittlerweile in Oberwart kickende Bernd Kager ist nicht nur Freund, sondern war zuvor auch Schriebls Lehrer und auch die restlichen Burgenländer – 12 an der Zahl – schätzen und mögen sich. „Das machte die Eingewöhnung natürlich leichter“, erklärt die Nummer 20 des SVL. Dabei war der Start in der Oststeiermark wackelig. Zwar trainierte er zu Beginn in der Einser mit, hatte auch einige Einsätze, ehe ihn eine Verletzung außer Tritt brachte. So war aufgrund des großen Kaders erst einmal hinten anstellen angesagt. Die Landesliga war die primäre sportliche Destination. Kein Problem – sagt er: „Die Zweier-Mannschaft in Lafnitz ist perfekt dafür, um Spiele zu kriegen. Da schauen sie wirklich drauf.“ Die Unterschiede zwischen steirischer und burgenländischer Landesliga? „Mir kommt es in der Steiermark athletischer vor. Es wird viel mehr marschiert.“ Vergangenheit für Schriebl, der seit knapp zehn Spielen zum Stammpersonal von Chefcoach Philipp Semlic gehört. „Es war immer mein Ziel, in der ersten Elf zu kicken. Das habe ich geschafft.“ Und das dann auch noch im Stahlbad 2. Bundesliga. „Es ist eine Umschalt-Liga“, schmunzelt er, wohlwissend, dass erst die Arbeit und dann das Vergnügen in Form des „Zangelns“ kommt.

Wohin die Reise für ihn noch geht? Der begnadete rechte Fuß und der Kopf scheinen reif für Größeres. Das wäre die Bundesliga und der Sympathikus meint dazu auch ehrlich: „Das ist der Plan. Wenn man in der 2. Bundesliga kickt, dann kann das nur der nächste Schritt sein.“ Es wäre ihm jedenfalls zu gönnen.äreihmjedenfallszugönnen.