Malic: „Ich gehe so leise wie ich gekommen bin“. Nedeljko Malic muss seinen unfreiwilligen Abschied nach knapp 15 Jahren beim SVM erst verdauen. Trotzdem sagt er: „Ich bin niemandem böse.“

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 17. Juli 2020 (05:25)
Sportlicher Höhepunkt 2015: Der Bundesliga-Wiederaufstieg mit dem SV Mattersburg als Meister der damaligenErsten Liga war für Nedeljko Malic (Bild mit Zeugwart Dragisa „Gile“ Vukadinovic) sicher einer der größten Momente seiner Laufbahn beim SV Mattersburg.
Ivansich

Auf einmal war er da, im Jahr 2006. Ein knapp 17-jähriger zurückhaltender Bosnier, der kein Wort deutsch sprach, daher anfänglich lediglich seinen kickenden SVM-Landsmann Adnan Mravac als Bezugsperson hatte, sich während der Probezeit einen Kreuzbandriss zuzog, aber nichtsdestotrotz von Klubchef Martin Pucher mit einem Vertrag ausgestattet wurde. Knapp 15 Jahre lang sollte er in der Folge ein Mattersburger Fixpunkt bleiben: Nedeljko Malic.

Der am 5. April 2008 beim 0:0 auswärts gegen die Austria im Finish eingetauscht wurde und mit 19 Jahren seinen ersten Bundesliga-Kurzeinsatz hatte.

Der in der Saison 2008/2009 zum Stammspieler in der Defensive mutierte, auf knapp 250 SVM-Einsätze im Oberhaus kam, dort zwölf Tore erzielte und freilich auch den bitteren Abstieg 2013 (davor riss er sich im Herbst 2012 zum zweiten Mal das Kreuzband) durchlebte.

Der dann natürlich auch beim umjubelten Wiederaufstieg 2015 mittendrin war, diesen Erfolg auch als den emotionalsten Moment seiner grün-weißen Laufbahn bewertet und dann in weiterer Folge auch noch die Kapitänsschleife überstreifte.

Abschiedsbühne als Kapitän gegen die Austria

Am 4. Juli 2020 endete die sportliche Reise des Defensivspielers beim letzten Spiel der Qualifikationsgruppe – dramaturgisch passend mit einem Kurzeinsatz auswärts bei der Austria.

Letzter Auftritt: Beim abschließenden Spiel des SVM in Wien gegen die Austria durfte Nedeljko Malic noch einmal von Beginn weg ran. Nach knapp neun Minuten wurde er ausgetauscht und verabschiedete sich als SVM-Profi.
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Diesmal führte Malic die Mannschaft noch einmal als Kapitän aufs Feld, nach knapp neun Minuten wurde er ausgetauscht und erhielt noch einmal eine Abschiedsbühne. Davor war er in den Spielen nach der Corona-Pause nicht mehr im Kader berücksichtigt worden, da er in den sportlichen Zukunftsplänen der Burgenländer keine Rolle mehr spielt.

Ein Umstand, den der mittlerweile 32-jährige Österreicher (er erhielt 2014 die Staatsbürgerschaft verliehen) nur schwer verkraftet, wie er selbst mit etwas Abstand beim Gespräch mit der BVZ verrät: „Es fühlt sich an, wie wenn dir einer das Messer ins Herz sticht. Für mich ist das alles nicht einfach zu verdauen. Es war klar, dass es irgendwann einmal zu Ende gehen wird, und es gibt auch keinen leichten Abschied, aber ich habe zuletzt schon deutlich gemerkt, dass ich keine Chance mehr haben werde.“ Nachsatz: „Ich bin aber niemandem böse.“

Nächstes Kapitel noch mit Fragezeichen

Malic selbst hätte einfach gerne noch weitergemacht. Weil das nicht möglich war, spricht der Routinier jetzt auch von einer Phase, die „gerade die schwierigste Zeit in meinem Leben ist. Ich habe gedacht, dass es nicht so rasch geht, was mein Karriere-Ende in Mattersburg betrifft. Ich habe mich auch nie als typischen Fußballer gesehen, sondern als jemanden, der vor allem für seinen Verein aktiv ist. Die Pappeln beim Stadion waren für mich immer ein großes und wichtiges Symbol – stark verwurzelt und in die Höhe strebend. So habe ich das Engagement in Mattersburg von Beginn an gesehen. Mein Ziel war auch immer nur als Profi für den SVM tätig zu sein. Jetzt muss ich mir gut überlegen, ob es dabei bleibt.“

Körperlich fühle er sich nämlich nach wie vor bereit für Fußball, zwei Anfragen aus dem Ausland (eine davon aus dem arabischen Raum) gebe es. „Ich weiß aber nicht, ob ich der Typ dafür bin.“

Sportlicher Höhepunkt 2015: Der Bundesliga-Wiederaufstieg mit dem SV Mattersburg als Meister der damaligenErsten Liga war für Nedeljko Malic (Bild mit Goalie Markus Kuster) sicher einer der größten Momente seiner Laufbahn beim SV Mattersburg.
Fenz

Nach der Beständigkeit der vergangenen knapp 15 Jahre ist die Lust auf ein neues Abenteuer schließlich überschaubar. Aktuell sondiert Malic, verheiratet mit seiner Frau Inga und Vater der gemeinsamen fünfjährigen Tochter Zoa, welches berufliche Kapitel als nächstes aufgeschlagen werden soll. Und wo der künftige Lebensmittelpunkt sein könnte.

Ein zweites Standbein hat sich der Diplomingenieur schließlich bereits geschaffen, indem er neben der Tätigkeit als Profi an der FH Pinkafeld Energie- und Umweltmanagement studierte. „Auf dem Gebiet der Energie gibt es aufgrund der aktuellen Entwicklungen einen Riesenbedarf.“

Nur war es eben nicht der Plan, sich schon jetzt mit dieser Option auseinanderzusetzen. Dementsprechend schwer tut sich Malic auch mit dem aktuellen Abschied. „Mein ganzes Leben ist mit diesem Verein verbunden. Es war mir eine Ehre, ich wünsche allen das Beste. Jetzt gehe ich so leise wie ich gekommen bin.“ Da ist sie wieder, die Erinnerung an den knapp 17-jährigen Burschen, der auf einmal da war und sich erst einmal in seinem neuen Leben zurechtfinden musste.

Mit dem Unterschied, dass er nun als gestandener Mann seinen Lebensklub verlässt. Dessen Entwicklung vor allem auch mit einer Person einhergeht: Präsident Martin Pucher. „Er wird jemand bleiben, dem ich nie genug danken kann, solange ich lebe. Martin Pucher war für mich immer ein Vorbild sowie eine Person, die eine entscheidende Rolle gespielt hat.“