Burgenland , Parndorf

Erstellt am 03. Januar 2019, 07:04

von Bernhard Fenz

Milletich: „Auch ich habe einige Fehler gemacht“. Der BFV-Boss über das abgelaufene Jahr, die erhöhte Konzentration auf den Nachwuchs und die nötige Qualitätssteigerung.

Viel zu sagen: BFV-Präsident Gerhard Milletich in seinem Büro in Eisenstadt.  |  BVZ

Seit 2012 ist Gerhard Milletich Präsident des Burgenländischen Fußballverbands (BFV), seit 30 Jahren steht er dem SC/ESV Parndorf als Obmann vor. Der 62-jährige Chef des Bohmann-Verlags hat besonders in sportlicher Hinsicht viel zu sagen. Also bat die BVZ zum Interview. Milletich empfing in seinem BFV-Büro in Eisenstadt, eine knappe Stunde lang plauderte er dabei ausführlich über das abgelaufene Jahr und natürlich auch über die künftigen Herausforderungen. Das Gespräch präsentieren wir Ihnen in der vorliegenden BVZ sowie in der kommenden Ausgabe in zwei Teilen.

BVZ: Wie war das Jahr 2018 aus Ihrer Sicht als BFV-Präsident?

Gerhard Milletich: Gut. Die Abwicklung des Meisterschaftsbetriebs im Amateurbetrieb lief bis auf Kleinigkeiten problemlos.

In der Vergangenheit haben uns immer öfter Vereinsauflösungen und Probleme im Nachwuchs begleitet. Hält sich dieser Trend?

Im Nachwuchs hatten wir einige Schockmomente hinter uns, weil sich wesentlich weniger Nachwuchsmannschaften gemeldet haben. Mittlerweile haben wir bei den Anmeldungen für das Frühjahr bereits wieder um 20 Nachwuchsteams mehr.

Innerhalb des BFV wurde eine eigene Arbeitsgruppe für den Nachwuchs ins Leben gerufen. Wie lauten die ersten Ergebnisse?

Es ging hier um eine Analyse, wo die Probleme liegen. Wir haben jede Volksschule und jeden Verein verglichen, um die Potenziale auszureizen. Tatsächlich gibt es Gemeinden mit vielen Kindern, aber ohne entsprechenden Nachwuchs beim Verein. Parallel dazu haben Klubs in Dörfern mit vergleichsweise wenig Kindern einen geregelten Nachwuchsbetrieb. Natürlich muss man da und dort aber auch unterscheiden, etwa wenn Kinder aus der Nachbargemeinde, die über keinen Verein verfügt, dann hier mitspielen.

Was ist Ihre Erkenntnis daraus?

Dass es immer in den Händen der Vereine und der Verantwortlichen liegt, ob ein Klub eine gute Nachwuchsarbeit betreibt oder nicht. Die Ergebnisse werden auch an die Obleute und an die Bürgermeister kommuniziert, weil wir informieren wollen, wenn es Versäumnisse gegeben hat.

Sie sind Obmann in Parndorf. Wie lautet Ihr eigenes Urteil über die Nachwuchsarbeit?

BFV-Präsident Gerhard Milletich  |  BVZ

Auch ich habe vor Jahren einige Fehler gemacht, was die Nachwuchsarbeit betrifft und habe das korrigiert, was nicht so einfach war. Es ging immer darum, wie erfolgreich die Kampfmannschaft ist, die eine Außenwirkung hat.

Was ist aus Ihrer Sicht zu tun?

Es müssen Leute im Nachwuchs am Werk sein, die sich engagieren, um hier etwas weiterzubringen. Dann ist auch die Nachhaltigkeit für einen Verein eher gegeben, als wenn man nichts tut. Wenn es dann Gemeinden gibt, die vom Potenzial der Kinder her alle Altersklassen besetzen könnten, aber gar nichts passiert, dann ist das sehr wohl ein Versäumnis der Funktionäre.

Trotzdem ist bei manchen Klubs der Spielermangel eklatant. Wie stehen Sie dazu, dass sich einige Vereine dann mit zahlreichen Legionären aushelfen?

Ich bin überzeugt davon, dass es auch anders gehen kann. Damit will ich nicht sagen, dass man ganz auf Legionäre verzichten soll, aber es geht darum, dass man leistungsstärker werden sollte und nicht einfach nur die Stückzahl auffüllt. Mittlerweile gibt es aber bereits ein großes Umdenken.

In welche Richtung?

Viele Klubs erkennen, dass durch das Engagement der Legionäre der Verein in Zukunft nicht nur von der Substanz der Spieler, sondern von der Substanz der Wirtschaftlichkeit her immer schwerer zu führen sein wird. Das bedeutet mehr Ausgaben, mehr Sorgen, mehr Kopfweh – und das ist ja auch ein Grund, warum es immer weniger Personen gibt, die bereit sind einem Verein vorzustehen.

Im Sommer hat es mit den Amateuren des SV Mattersburg erstmals wieder einen Burgenlandliga-Aufsteiger in die Regionalliga Ost gegeben. Davor war das zwei Jahre nicht der Fall. 2016 verzichtete Meister Eberau, 2017 wollte hinter Meister SVM Amas – die in der Relegation auch noch scheiterten – keiner den zweiten Aufstiegsplatz, der in so einem Fall von Beginn an vorgesehen war.

Ich war wirklich verwundert, dass das in den letzten Jahren so schwierig war, weil ja ein Aufstieg nicht ganz überraschend kommt. Spiele ich als Landesliga-Verein ganz vorne mit, sollte ich davon ausgehen können, dass ein Aufstieg möglich ist. Mittlerweile ist das aber Vergangenheit.

Ein K.O.-Kriterium für einen Regionalliga-Aufstieg ist dort dann mit der 1b eine zweite Kampfmannschaft zu installieren. Verstehen Sie es, dass diese Hürde vom Aufwand her ein großer Hemmschuh für manche ist?

Es ist mehr Aufwand, gar keine Frage. Je höher man spielt, desto mehr Aufwand hat man. Aber ich glaube trotzdem, dass man auch das bewerkstelligen kann, wenn man sich darauf vorbereitet.

Seit dem Vorjahr werden Klubs, die Erster werden, aber dann nicht aufsteigen wollen, mit dem Zwangsabstieg sanktioniert. Diese rigorose Maßnahme finden nicht alle Vereinsvertreter angemessen.

Dieser Beschluss war aber ganz wichtig für den normalen Spielbetrieb. Es kann ja nicht sein, dass man um die Meisterschaft spielt und es sich dann in allen Klassen aussuchen kann, ob man aufsteigt oder nicht. Hier gehört eine gewisse Ordnung her und jetzt herrscht Klarheit. Werde ich Meister, habe ich aufzusteigen. Wenn ich das nicht tue, habe ich auch zur Kenntnis zu nehmen, dass ich eine Klasse runtergehen muss.

Der SV Mattersburg spielt in der Bundesliga, in der 2. Liga gibt es keinen burgenländischen Vertreter, in der Ostliga mit den SVM Amateure, Parndorf und Neusiedl/See drei Teams. Ist diese Anzahl in der Spitze aus rot-goldener Sicht nicht zu wenig?

Regionalligamäßig werden wir durch den Meister der Burgenlandliga aufstocken, da hätten wir auch sicher noch Potenzial von ein, zwei Vereinen. In der 2. Liga gibt es im Moment kaum einen Verein, der auf Sicht gesehen nach jetzigem Wissensstand dort die Berechtigung hat – sportlich und wirtschaftlich gesehen.

In der Regionalliga Ost befindet sich mittlerweile kein Klubs aus dem Landessüden.

Es wäre ideal, könnte sich hier wieder der eine oder andere Vertreter etablieren.

Parndorf war bereits in der Ersten Liga und hätte die infrastrukturellen Möglichkeiten. Würden Sie im Falle des Falles aufsteigen?

Wenn es sportlich möglich ist und die Arbeit, die jetzt geleistet wird, Früchte trägt, würde ich es nicht verhindern.

Was müssten Sie dann ändern?

Der Weg, den wir jetzt gehen, ist der richtige. In einer 2. Liga könnte ich als Parndorf nur dann überleben, wenn ich den Stamm der Mannschaft aus den eigenen Reihen bilde. Dann kann ich gezielt zwei, drei externe Spieler holen. Umgekehrt hat das keinen wirtschaftlichen Sinn.

Trotzdem werden Sie nicht ewig als Obmann im Amt bleiben. Wie sieht der langfristige Plan beim SC/ESV Parndorf aus?

Wir haben infrastrukturell in den vergangenen Jahren enorm viel erreicht und verfügen mittlerweile über eine sehr gute Struktur. Noch will ich mich auf keinen genauen Zeitpunkt festlegen, wann ich mich als Obmann zurückziehe, aber die Basis für eine vernünftige Wachablöse wäre geschaffen.

Stichwort Fußballakademie Burgenland. Im Herbst waren die Ergebnisse weit besser als in der Vergangenheit. Die U15 ist Vierter, die U16 Achter und die U18 Siebenter. Wie lautet Ihr Resümee als Fußballverbands-Chef?

Die Fußballakademie Burgenland ist auf einem guten Weg. Wir haben diesmal in allen Altersklassen sehr gute Zwischenplatzierungen und das Niveau der Spieler im Vergleich zur Konkurrenz ist wirklich gestiegen. Das ist nicht zufällig passiert, sondern man versucht, gute Spieler in die Akademie zu bringen. Da bemüht sich Franz Ponweiser (Anm.: AKA-Sportchef) sehr, damit er die besten burgenländischen Youngsters in die Akademie lotst, weil ja die Konkurrenz mit Rapid, Austria oder Sturm vom Image her groß ist. Da ist es aber gelungen, einiges geradezurücken. Dazu kommt ein aktives Werben um die Spieler aus der gesamten Region über die Landesgrenzen hinaus. Das alles trägt Früchte. Der Weg stimmt also und ist für die positive Entwicklung ganz wichtig.

Hier geht's zu Teil 2 des Interviews: