Austria: Fußballschule ja, Stützpunkttrainings nein. Bundesligist Austria baut das Breitensportangebot aus, gestoppt wurde dafür das geplante Projekt von Stützpunkttrainings in der Ostregion und damit auch im Burgenland mit Simon Knöbl als Sportlichem Leiter.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 04. Juli 2020 (06:07)
Doch kein Stützpunkttraining. Christoph Lehenbauer (l.), verantwortlich für die Administration derAustria-Soccercamps und der Fußballschule, mit Simon Knöbl (r.). Letzterer hätte als Sportlicher Leiter operativ das Stützpunkttraining der Austria umsetzen sollen. Das Projekt wurde nun gestoppt.
Bernhard Fenz

Image. Das steht bei der Wiener Austria an erster Stelle, vor allem wenn es um das breite Angebot für die heranwachsende Kickerzunft und um die Positionierung als familienfreundlicher Fußballverein geht.

Angefangen bei den Spielen des Bundesligisten, wo ein Kindergarten für den Fall der Fälle zur Verfügung steht, um tatsächlich die gesamte Familie in der Generali-Arena zu versorgen. Weitergeführt über die sogenannten violetten Klassenausflüge, die die Schulschiene abdecken, bis hin zu ganz konkreten Projekten mit dem Ball. Über zehn Jahre lang gibt es im Sommer bereits die Austria-Soccercamps in Österreich (mittlerweile sieben an der Zahl in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland), auch ein Standort in Kroatien wurde zudem bereits installiert.

Seit drei Jahren ist parallel dazu die Fußballschule in Wien-Favoriten in Betrieb, wo interessierte Youngsters verschiedenster Klubs (oder auch Kinder, die keinem Verein angehören) zum wöchentlichen Training antanzen. Von Anfängern bis zu Könnern sind hier alle willkommen.

„Das gesamte Produkt ist im Lauf der Zeit gewachsen. Uns ist das Image sehr wichtig, daher wollen wir auch die Jugend mit der Austria in Verbindung bringen.“ Das sagt Christoph Lehenbauer, er ist bei den Veilchen genau in diesem Bereich für die administrative Abwicklung verantwortlich.

„Es ging immer darum, dass das für die Vereine ein sehr interessantes zusätzliches Produkt sein kann.“Simon Knöbl über die Pläne eines Stützpunkttrainings der Wiener Austria

Auf der anderen Seite gibt es bei der Wiener Austria – wie bei praktisch allen Oberhausklubs auch – die reine Spitzensport-Schiene für den Nachwuchs, wo der Weg der Talente über die eigenen violetten Mannschaften Richtung Akademie führt. Dieser sportlich durchaus elitäre Bereich hat, wie Lehenbauer klarstellt, „nichts mit der Fußballschule, den Camps und den weiteren Projekten zu tun.“ Soweit so klar und so unaufgeregt.

Jede Menge Staub aufgewirbelt hat zuletzt aber eine – mittlerweile wieder auf Eis gelegte – neue Idee, die sich in die Schnittstelle zwischen Breiten- und Spitzensport einnistet: ein sogenanntes Stützpunkttraining in der Ost-Region (Wien/NÖ/Burgenland) für Kinder von acht bis zwölf Jahren, wo an verschiedenen Stützpunkten ein qualitäts-orientiertes Zusatztraining angeboten wird – mit regionalen Kooperationsvereinen, die die Infrastruktur stellen, mit Trainern, die von der Austria installiert werden, mit Aufnahmekriterien und Einstiegshürden, um dann ein klassisches Entwicklungstraining abhalten zu können und mit Youngsters, die aus der jeweils unmittelbaren Umgebung ohne lange Anfahrtswege auf ihre sportlichen Kosten kommen, beim eigenen Verein gemeldet bleiben, aber eben die Werte und Inhalte der Austria vermittelt bekommen.

Vorgesehen für die Umsetzung als Sportlicher Leiter des Stützpunkttrainings war Simon Knöbl, ehemaliger Trainer des SC/ESV Parndorf und ehemaliger Geschäftsführer des Burgenländischen Fußballverbands (BFV), der auch die Idee dazu hatte. Er sagt: „Es ging immer darum, dass das für die Vereine ein sehr interessantes zusätzliches Produkt sein kann. Es gibt ja bereits private Trainings-Anbieter, mit der Marke Austria hat so etwas natürlich einen viel höheren Wert.“

Das Interesse von Vereinen, als Kooperationsklub aufzutreten, sei jedenfalls da gewesen, weiß Knöbl. Mit einigen war sich der 41-Jährige de facto einig, das Projekt befand sich in den unmittelbaren Startlöchern.

Nun wurde die für September geplante Umsetzung aber gestoppt. Das Hauptproblem: Auch wenn man, wie die Protagnisten im Vorfeld unterstrichen, nicht die Besten der Besten abwerben wollte (die kenne ohnehin schon jeder Bundesligist), bewegte sich die Umsetzung der Idee tatsächlich mitten im Hoheitsgebiet der Verbands-Nachwuchsförderungsschiene.

Vorwurf: Fischen in fremden Gewässern

In Niederösterreich gibt es die LAZ-Vorstufen, im Burgenländischen Fußballverband (BFV) können die Top-Jungkicker ab der U9 zusätzlich das FTT (Fußball-Talente-Training), in weiterer Folge ab der U11 das BAZ (Bezirks-Ausbildungszentrum) und ab der U13 das LAZ (Landesverbands-Ausbildungszentrum) besuchen. Wenn sie denn die Aufnahmekriterien erfüllen.

Hier sah Knöbl zuletzt bereits als Nachwuchstrainer in Parndorf (wo er für die U9 tätig ist) jede Menge Potenzial verloren gehen. „Einige Spieler, die Talent haben, sind nicht in das FTT aufgenommen worden. Es gibt genügend Kinder, die hier erweitert trainiert werden könnten. Wenn sie jedoch nicht gefördert werden, passen sie sich dem durchschnittlichen Niveau in ihrer Mannschaft an. Können sie aber mit Gleichgesinnten zusätzlich gemeinsam trainieren, entsteht ein ganz anderes Level. Dieses Produkt hätte sich abgehoben vom gängigen Vereinstraining in ländlichen Bereichen. Und die Kooperation von ansässigen Klubs mit einem Bundesligisten, der dann vor Ort Inhalte und Know-how vermittelt, wäre für das Stützpunkttraining exklusiv gewesen.“

Wäre. Inzwischen hat sich die Stoßrichtung der geplanten Umsetzung nämlich verändert, wie Lehenbauer vergangene Woche auf BVZ-Anfrage bestätigte. „In der angedachten Form wird es das Projekt eines Stützpunkttrainings nicht geben.“

So soll der Gegenwind aus den Ländern Niederösterreich und Burgenland dem Vernehmen nach wesentlich stärker als erwartet gewesen sein. Auch die Person Simon Knöbl als ehemaliger BFV-Angestellter polarisierte hierzulande.

Zudem wurde das Stützpunkttraining eben nicht reflexartig als ein für alle produktiver Mehrwert betrachtet, sondern als ein Fischen in fremden Gewässern – trotz jeglicher Beteuerungen, dieses Angebot abseits der Landesverbands-Schiene zu betreiben, bei dem die Kinder ja auch gar keine Spieler der Austria sind, sondern lediglich ein hochwertiges Stützpunkttraining mit violetten Inhalten konsumieren dürfen. Der eigene Austria-Spitzensport sei ein anderer Bereich.

„Das wäre eine Parallelstruktur zum LAZ und zur Fußballakademie gewesen. Da könnte Barcelona kommen, wäre mir das egal.“Sportlandesrat Christian Illedits lehnt das Projekt klar ab

Burgenlands Sportlandesrat und Fußballakademie-Aufsichtsratsvorsitzender Christian Illedits sieht das nicht so: „Alleine der Ansatz, so etwas machen zu wollen, ist ein Witz. Ich will mir das gar nicht vorstellen. Das wäre eine Parallelstruktur zum LAZ und zur Fußballakademie gewesen.“

Dass der SP-Politiker an sich auch bekennender Austria-Sympathisant ist, ändert nichts an seiner ablehnenden Haltung zu den ursprünglichen Plänen: „Da könnte Barcelona kommen, wäre mir das egal.“

Und Illedits geht sogar noch einen Schritt weiter, sagt: „Ich rege im Sportförderungsbeirat auch an, dass Vereine, die bei so etwas mitmachen würden, von der burgenländischen Sportförderung ausgenommen werden. Man kann ja nicht Nachwuchs- und Trainerförderung kassieren und gleichzeitig einem anderen Verein eine Plattform bieten.“

„Weder wird es ein Scouting oder dergleichen geben, wir fokussieren uns voll auf das Image.“Christoph Lehenbauer, Leiter der Austria-Fußballschule und Austria-Soccercamps

Hier driften die jeweiligen Ansichten jedenfalls auseinander. Laut Knöbl sei das primäre Ansinnen gewesen, den regionalen Nachwuchs im näheren Umkreis des Austria-Einzugsgebiets zu fördern, um die violette Marke zu stärken und eine weitere spannende Nische zu besetzen.

Profitiert hätten im Regelfall vor allem die regionalen Klubs, glaubt der Ex-BFV-Mann: „Schade darum, ich hätte dieses Projekt ab Herbst gerne an verschiedenen Stützpunkten gestartet. Die Idee finde ich nach wie vor sehr gut, sie wird ja auch bereits von Privatanbietern verfolgt. Auch das Feedback der Vereine war sehr positiv.“

Weniger positiv sehen da schon die Reaktionen der rot-goldenen sportlichen Entscheidungsträger aus. Distanziert stand auch Burgenlands Fußballverbands-Präsident Gerhard Milletich dieser Variante gegenüber, „weil wir ohnehin unsere exzellente Ausbildungsschiene haben, die im Optimalfall bis zur Fußballakademie geht. Diese Spitzensportförderung ist auch die beste Lösung. Es war also klar, dass wir so ein Projekt sicher nicht unterstützt hätten. Wäre es durchgezogen worden, hätten wir es aber nicht verhindern können.“

Fußballcamp und Schule in Neusiedl am See

Durchgezogen wird bei der Austria nun jedenfalls der weitere Ausbau des Breitensportbereichs. Für das Burgenland bedeutet das im Sommer wie schon zuletzt ein Fußballcamp in Neusiedl am See und als Novum danach – ebenfalls auf der Anlage des NSC – ein einmaliges wöchentliches Trainingsangebot der Austria-Fußballschule.

Christoph Lebenbauer: „Die Fußballschulen wollen wir ausbauen, hier gibt es ein Training für alle Kinder, das eine reine Breitensportgeschichte darstellt. Weder wird es ein Scouting oder dergleichen geben, wir fokussieren uns voll auf das Image. Neusiedl ist hier aufgrund der guten Zusammenarbeit bei den Fußballcamps ein guter Partner, aber eben kein Stützpunkt, sondern ein Standort.“ Das freut NSC-Clubmanager Lukas Stranz allemal: „Wir sehen das natürlich als Aufwertung, wenn ein Bundesliga-Verein hier seine Fußballschule betreibt.“

Und Simon Knöbl? Er wiederum ist bei der Austria aufgrund der Stützpunkttrainings-Einstellung bis auf weiteres nicht mehr an Bord. Dass es so kam, sei „Part of the Game“ gewesen, wie der in Jois lebende gebürtige Halbturner trocken feststellt: „Natürlich war uns auch das Risiko bewusst, dass das Projekt so aufgefasst werden konnte.“