„Es geht dann immer auch um den Stil“. Der Höhenflug des FC Deutschkreutz ist eng mit Trainer Didi Heger verbunden. Dabei formte der Trainer ein Top-Team, das nicht nur Siegendorf ärgert.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 12. April 2021 (03:23)
Klarer Weg in die Ostliga? Das Team rund um Didi Heger und seine Mannschaft würde gerne.
BVZ, Frank

Wofür stand der FC Deutschkreutz vor der Ära Didi Heger? Diese begann im Oktober 2018 und hat bis heute Bestand. Vor zweieinhalb Jahren krebste man im Tabellen-Niemandsland herum und stand vor allem für eins: Umschaltmomente. Einige Stellschrauben und Umstellungen später, ist man ganz oben angekommen. Schon 2018/19 holten die Mittelburgenländer am letzten Spieltag noch Platz sechs und steigerten das in der darauffolgenden Saison in maximaler Weise.

Was folgte, war der Herbstmeistertitel und einer der größten Vereinserfolge in der jüngeren Geschichte des ehemaligen Ostligisten war perfekt. Den vorwinterlichen Abschluss in Siegendorf verlor man dann noch mit 1:2 und musste dem ASV so die Winterkrone überlassen. Danach kam die Saison-Annullierung und viel Nachdenk-zeit. Diese nutzte der Klub wieder dementsprechend gut, denn nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs liegt man aktuell erneut auf Rang eins. Nach Verlustpunkten zwar hinter Siegendorf (und möglicherweise auch Pinkafeld), aber zumindest ganz vorne dran. So steht der FC Deutschkreutz heute für mehr als „nur“ Umschaltmomente. Sportliche Konstanz kam hinzu. Ein Verdienst des „Chefs“.

„Die Entwicklung der Kampfmannschaft ist sehr gut“, sagt Didi Heger und ergänzt: „Wir haben eine sehr gute Mannschaft übernommen, aber auch an einigen Stellschrauben gedreht.“ Diese sahen wie folgt aus: „Wir wollten mehr Selbstbewusstsein entwickeln und es ging auch darum, wie wir spielen wollen. Wir legen es heute etwas offensiver an, kassieren vielleicht das ein oder andere Tor mehr, aber unsere geschossenen Treffer sprechen im Gegenzug für sich.“

Es braucht auch das gute Scouting-Auge

In 44 Meisterschaftsspielen unter seinen Fittichen sind das fast schon unglaubliche 99 Tore. Der Schnitt: 2,25 Treffer pro Spiel. Deutschkreutz steht für Spektakel, die Mannschaft für Tempo, auch wenn Heger weiß, dass nicht mehr allzu viel über die letzten Jahre drübergehen wird. „Wir haben ja auch in den zwei zuletzt unterbrochenen Spielzeiten 58 Punkte in 26 Spielen geholt. Dass das irgendwann nur noch schwer zu toppen sein wird, ist klar.“

Versucht wird das mit harter Arbeit, viel Leidenschaft und gutem Scouting. Natürlich darf man auch die „auswärtigen“ Ausnahmekönner wie Michi Pittnauer oder Goran Erseg nicht vergessen, die aber das Bild der prinzipiellen Regionalität nicht stören. Wir haben viele Spieler aus dem Bezirk und unser Teamgefüge passt“, erklärt der 40-Jährige, der als Ausgleich gerne den Tennisschläger in die Hand nimmt und auch Erfahrungen als Ex-Kicker mitbringt. Selbst war er in Oberpullendorf, Großwarasdorf, Steinberg und Unterfrauenhaid aktiv, während er nach seiner Karriere schnell ins Trainerwesen einstieg. Nicht nur im Jugendbereich, auch eine Stufe drüber machte er sich fix einen Namen. Dreieinhalb Jahre werkte er als Chefcoach in Oberpullendorf und kam dort – trotz späterem Abstieg – zwei Jahre in seinen ersten Burgenlandliga-Genuss. Es folgte eine dreijährige Station als Co-Trainer in Ritzing. Regionalliga Ost-Titel inklusive. Im Spätherbst 2018 wurde Deutschkreutz die bis dato letzte Destination und ist es neben seiner Tätigkeit als LAZ-Standortleiter in Eisenstadt immer noch: der logische Schritt der Karriere-Vita.

Im modernen Fußball braucht es, um erfolgreich Fußball spielen zu können, vor allem eines: Tempo! Danach richtet sich sehr vieles, denn nur mit hoher Geschwindigkeit schafft man die Momente, die letztendlich auch entscheiden. „Wir haben auf jeder Position sehr viel Speed und achten bei unseren Transfers da natürlich schon sehr darauf. Wenn wir jemanden holen, muss der schon ein gewisses Tempo haben. Das war grundsätzlich schon vor uns da, aber wir wollen, dass unsere Spieler in vielen Situationen auch die Tiefe suchen.“

Offensiv in Richtung Ostliga? Abwarten!

Auch wenn es in der Blaufränkisch-Gemeinde kein Aufstiegs-Muss gibt, wäre die mittlerweile drohende zweite Annullierung schon ein harter Schlag. Mit dem Vorstandswechsel der drei scheidenden Obmänner Manfred Scherz, Jürgen Kirnbauer und Adolf Haiden auf Robert Strobl (Obmann Sport) und Christian Neubauer (Finanzen) wurden auch die Aussagen bezüglich etwaiger Regionalliga-Zugehörigkeit etwas offensiver als vielleicht noch im Vorjahr. Die Vorgänger hinterließen nämlich ein richtig starkes Fundament, auf das sich nun höherklassiger Fußball aufbauen lassen würde. Vielleicht – und wenn es eben möglich ist.

„Rivalität ist gut. Ich würde mir einen sehr starken burgenländischen Regionalliga-Vertreter wünschen. Das wäre Siegendorf.“ Didi Heger über den Status quo im rot-goldenen Fußball

„Da gab es zuletzt schon einige positive Signale“, berichtet Heger und ergänzt: „Mannschaft und Trainerteam wollen ja sowieso den maximal erreichbaren Erfolg.“ Ob dieser 2020/2021 noch Zustande kommt, ist äußerst fraglich, wobei man für ein „Go“ des Amateurfußballes gerüstet wäre. Zwar arbeitete die Mannschaft noch nicht mit Individualtrainings, aber die in enger Absprache mit dem Trainerteam verordnete Heimarbeit geht munter weiter. „Natürlich wollen wir alle kicken. Das Wetter wäre optimal, alles wäre wunderbar“, sagt der Familienvater und ergänzt: „Es ist für mich persönlich, aber auch für die Mannschaft eine richtig schwierige und zehrende Situation. Das ist es aber für jeden.“

Es heißt warten und warten und warten, ob die erhoffte Corona-Beruhigung eintritt. Leben kann man beim FCD mit vielem. Aufstieg, Nicht-Aufstieg, Annullierung, Weiterführung. All die Varianten würden der sonnigen Sport-Seite keinen Abbruch tun. Anders sieht das schon mit gewissen Äußerungen der Konkurrenz aus. Hier wunderte sich Heger etwa über den einen oder anderen Sager von Siegendorf-Präsident Peter Krenmayr, der stets einen glasklaren Aufstiegsanspruch artikuliert, aber: „Es geht dann immer auch um den Stil“, sagt der Rapid-Fan. „Die anderen in der Liga arbeiten und kämpfen auch. Rivalität ist gut und ich würde mir einen sehr starken burgenländischen Regionalliga-Vertreter, und dazu hat Siegendorf das Zeug, wünschen. Einiges ist aber schon sehr grenzwertig.“

Die konkreten Beispiele? „Im Vorjahr war für Herrn Krenmayer Pflicht, dass der Winterkönig aufsteigen soll. Heuer soll es dann wieder die Quotientenregel sein. Das ist den anderen Klubs gegenüber respektlos, denn auch wenn Siegendorf nach Verlustpunkten vorne ist, müssen diese Partien auch erst einmal gespielt werden. Und in dieser Liga fährt man nirgends hin und hat ein leichtes Spiel. Wir haben in Ritzing nach 35 Minuten 4:0 geführt und nicht einmal das war dann einfach. Wie schon gesagt, es geht immer auch um den Stil und unserer ist definitiv ein anderer. Wir haben Siegendorf zur Winterkrone gratuliert, sie haben uns beim 2:1-Auswärtssieg beim Jubeln das Licht abgedreht.“ Schwer abzusehen, wie es demnächst weitergeht, aber eine gewisse Kämpfer-Mentalität kehrte beim (neuen) FCD doch ein. Das streicht Heger auch noch einmal heraus: „Ich sehe ja, wie viele Spiele wir in der Schlussphase noch drehen konnten“, schmunzelt Heger, der sich übrigens schon aufs nächste sportliche Messen mit Siegendorf – wann auch immer das sein mag – freut: „Dafür spielen wir ja.“

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