Sportlandesrat Dorner: „Es fehlt die Klarheit“. Die angekündigten Beschränkungen rufen bei der rot-goldenen Sportspitze überwiegend Unverständnis hervor.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 24. Oktober 2020 (02:13)
SP-Sportlandesrat Heinrich Dorner.
BVZ

Die von der Bundesregierung am Montag angekündigten weiteren Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie werden am Freitag in Kraft treten – und auch den Sport betreffen. Veranstaltungen und Aktivitäten im Amateurbereich (outdoor ist vor allem der Fußballbetrieb betroffen) müssen ab 13 Zuschauern (nicht inkludiert sind die aktiv Beteiligten am und neben dem Platz) behördlich gemeldet werden, inklusive fix zugewiesener Sitzplätze und dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Ab 250 Personen benötigt es eine behördliche Bewilligung (Höchstgrenze 1.500 Personen), in jedem Fall entfällt bei sämtlichen Veranstaltungen künftig der Kantinenbetrieb. Indoor besteht eine behördliche Meldepflicht ab sechs Personen, auf professioneller Ebene wären 1.000 Zuschauer bei entsprechender Bewilligung möglich.

Niessl: „Kann nicht das Ziel der Regierung sein“

Was Burgenlands Sportlandesrat Heinrich Dorner vor allem abgeht, ist Klarheit: „Mit ihrer Vorgehensweise sorgt die Bundesregierung vor allem für eines: für große Verunsicherung. Die Verordnung muss besser heute als morgen auf den Tisch, damit vor allem die Vereine wissen, was Sache ist.“ Zudem wurden laut Dorner einige öffentlich diskutierte Maßnahmen vergangene Woche bei der Konferenz der Landessportreferenten von Sportminister Kogler mit keiner Silbe erwähnt. „Hier mangelt es an Offenheit, Ehrlichkeit und Deutlichkeit.“

Sport Austria-Präsident Hans Niessl.
Leo Hagen

Die stetige Beschränkung der Zuschauerzahlen ist für Alt-Landeshauptmann und Sport Austria-Präsident Hans Niessl jedenfalls der falsche Weg. Dank entsprechend ausgearbeiteter Präventionskonzepte seien bis dato keine problembehafteten Clusterbildungen im Sport erkennbar.

Nun trotzdem noch mehr einzuschränken, sei der falsche Weg. Niessl: „Maßnahmen, die es den Vereinen immer schwieriger machen, der Bevölkerung Sport anzubieten, führen in weiterer Folge zu Bewegungsmangel. Das kann nicht das Ziel der Bundesregierung sein.“ Der Ansatz des Chefs des organisierten Sports in Österreich ist: „Präventionskonzepte unter wissenschaftlicher Begleitung laufend zu adaptieren statt Teilnehmer- und Zuseherzahlen immer stärker zu limitieren – noch dazu ohne Relation zum jeweiligen Fassungsvermögen.“

Das meint auch Robert Zsifkovits, Präsident des ASVÖ Burgenland: „Die Anzahl der Leute auf die Größe der Sportanlage zu beziehen, wäre ein wichtiger Schritt. Man versucht hier aber offensichtlich mit einer Generallösung auszukommen, statt flexibler zu handeln und Individuallösungen auszuarbeiten. So gefährdet das die Existenzen von Vereinen.“

Ob dieses System auf Dauer gutgehen kann, bezweifelt auch ASKÖ Burgenland-Boss Alfred Kollar: „Es brodelt gewaltig, vor allem unter den Funktionären. Schön langsam ist es immer bedenklicher, wie etwa die Fußballvereine, die Spiele abzuhalten haben und gleichzeitig von Zuschauern leben, belastet werden. Da ist der Betrieb auf Dauer nicht stemmbar. Meine Sorge ist auch, dass die Ehrenamtlichen das Handtuch werfen könnten.“ Sportunion-Präsidentin Karin Ofner wiederum sieht in den angekündigten Verschärfungen ein Problem für den Breiten- und Gesundheitssport: „Hier ist ein großes Thema, dass die Leute nicht mehr kommen und Gruppen auseinanderbrechen. Zehn Personen waren indoor administrierbar, sechs Personen sind für Kurse und dergleichen schon sehr einschränkend.“