Milletich: „Für Burgenlands Fußball sehr bitter“. Der Verbands-Präsident will die Akademie-Lage analysieren und geht nicht vom weiteren SVM-Bundesliga-Betrieb aus.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 23. Juli 2020 (00:59)
Nüchterner Blick. Den hat BFV-Boss Gerhard Milletich.
Ivansich

Das am Dienstag der Vorwoche bestätigte Aus der Commerzialbank Mattersburg und der damit einhergehende Bilanzskandal (siehe dazu auch Berichterstattung im vorderen Teil dieser Ausgabe) zieht seine Kreise. Schwer gefährdet ist aufgrund der Verstrickung der Bank und ihrem nunmehrigen Ex-Direktor Martin Pucher mit dem SV Mattersburg klarerweise auch die Weiterführung des Betriebs beim Bundesligisten.

Als SVM-Präsident war Pucher mit der Commerzialbank ein wesentlicher Geldgeber. Das alles fällt nun weg, weshalb beim SV Mattersburg eifrig an einer möglichen Lösung gearbeitet wird. Im schlimmsten Fall kann beim langjährigen Aushängeschild des Burgenlands das Profigeschäft aber nicht fortgeführt werden. Einer, der dieses Szenario erwartet, ist Gerhard Milletich, Präsident des Burgenländischen Fußballverbands (BFV). Er sagt: „Für Burgenlands Fußball ist das natürlich sehr bitter, was gerade vor sich geht. Ich persönlich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Profibetrieb fortgesetzt wird.“

Milletich stand dem SC/ESV Parndorf selbst als Obmann vor, ehe er sich im März zumindest einmal aus der ersten Reihe zurückzog. Als Mäzen der Nordburgenländer war der Verleger mit Parndorf von 2006 bis 2008 und in der Saison 2013/2014 in der zweithöchsten Spielklasse tätig. Auf Basis dieser Erfahrungen und mit dem aktuellen Wissensstand rund um die Vorgänge in Mattersburg stellt Milletich fest: „Es gibt ja aktuell wohl auch Verträge, die eingehalten werden müssen. Das sind parallel zu möglichen Fortbestandsprognosen auch laufende Kosten, die man tragen muss.“

„Sollte sich ein Großinvestor finden – andernfalls kann ich mir das nicht vorstellen.“ Gerhard Milletich sieht nur den Einstieg eines potenten Geldgebers als Möglichkeit einer Profi-Fortsetzung beim SVM.

Lediglich in einem Fall wäre es für den Verbands-Präsidenten denkbar, dass das unmittelbar operative Ruder beim Bundesligisten doch noch herumgerissen werden kann: „Sollte sich ein gestandener Gönner oder Großinvestor finden.“

Noch vor sechs Jahren stand Milletichs Klub Parndorf gemeinsam mit dem (damals gerade abgestiegenen) SV Mattersburg sportlich auf Augenhöhe in der zweithöchsten Spielstufe Österreichs. Danach gingen diese Kräfteverhältnisse wieder auseinander. Mittlerweile kickt der SC/ESV in der Burgenlandliga, Mattersburg kehrte wieder ins Oberhaus zurück. Bis sich eben nun die Lage gleichermaßen ungewiss wie dramatisch zuspitzte. Eines kommt beim ehemaligen Konkurrenten des SVM und jetzigen Verbands-Chef aber ob der jüngsten Ereignisse nicht auf: Schadenfreude. „Überhaupt nicht, null. Im Gegenteil: Ich finde es schade und traurig, dass es soweit kommen konnte.“

Fußballakademie: In dieser Woche Gespräch

Ob sich der SV Mattersburg trotz der aktuellen Probleme in der Bundesliga behaupten oder den Betrieb letztlich doch nicht stemmen kann (was dann wohl einen Rückzug in den Landesverband zur Folge hätte), ist die eine Seite. Die andere Seite ist die Frage, inwiefern sich die Lage beim SVM auf die Fußballakademie (AKA) Burgenland auswirken wird. Mit 35 Prozent ist der Verein am Betrieb beteiligt, das Land Burgenland hält 45 Prozent, je zehn der BFV und die Gemeinde Mattersburg. Etwas mehr als 800.000 Euro (Betrieb und Errichtung) flossen zuletzt als SVM-Anteil in die Akademie.

Wie es in dieser Hinsicht generell weitergeht, soll noch in dieser Woche ein Eigentümergespräch klären. Der BFV-Boss geht hier sehr pragmatisch an die Sache heran, sagt: „Man muss jetzt nüchtern analysieren, ob und welche Möglichkeiten es gibt, dass die Fußballakademie weitergeführt wird – hier gibt es natürlich einige offene Fragen. Die Lizenz liegt beim Verband – und theoretisch ist es auch möglich, eine Akademie ohne Bundesliga-Verein zu führen. Hier würde sich dann aber schon auch im Fall des Falles die Frage stellen, wie der Betrieb neu strukturiert werden müsste.“