Wiesberger als erster Österreicher beim Ryder-Cup

Wenn Bernd Wiesberger, morgen Freitag, beim Duell Amerika gegen Europa als allererster Österreicher abschlägt, dann ist es mehr als nur sein erklärtes Karriere-Ziel.

Martin Ivansich
Martin Ivansich Erstellt am 23. September 2021 | 01:27
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Fokussierte und historische Vorfreude: Bernd Wiesberger wird am kommenden Wochenende dort abschlagen, wo vor ihm noch nie ein rot-weiß-roter Golfer abschlug, beim Ryder Cup. Er ist einer der 12 Europäer, die in das ganz große Prestigeduell mit den US-Golfern gehen.
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Es ist sowas wie der Ritterschlag eines Golfers, die Nominierung ins Ryder Cup-Team. „Wenn man mit vielen Golfern über ihre Karriere spricht, dann kommt eben ganz oft ganz vorne das Erlebnis Ryder Cup“, schwärmte Bernd Wiesberger im Rahmen der Online-Pressekonferenz im Vorfeld des diesjährigen Ryder Cups.

Der Bad Tatzmannsdorfer ist der erste Österreicher bei einem der prestigeträchtigsten Vergleiche überhaupt im Sport. Amerika gegen das Team Europa ist seit 1927 der Klassiker im Golf. Dementsprechend ist Wiesberger „stolz, dass ich mich für den Ryder Cup qualifiziert habe und werde nicht nur die europäische, sondern auch die österreichische Flagge hochhalten.“

Das Ticket für das Duell mit den Amerikanern sicherte sich Wiesberger logischerweise mit mehreren guten Leistungen, trotzdem war die finale Runde beim BMW PGA Championship in Wentworth (dem letzten Turnier vor dem Ryder Cup) am Ende auch mitentscheidend.

Dabei waren viele Szenarien möglich, völlige Sicherheit über das Ticket gab es mit Platz 20 aber erst am Ende des Tages. Wiesberger sprach deshalb von der „emotionalsten Runde“ in seiner Karriere.

Seit Wochenbeginn ist das europäische Team vor Ort in Whistling Straits (Wisconsin), um sich den letzten Feinschliff vor dem morgigen Start abzuholen — wo die Nummer 63 der Welt mit einer großen Portion Vorfreude und auch Selbstvertrauen reingehen wird. Den Platz in den USA kennt der 35-Jährige, 2015 fand dort die PGA Championship statt. „Ich weiß, dass ich damals den Cut verpasst habe, aber trotzdem kann ich mich gut an die Gegebenheiten erinnern“, sagt Wiesberger.

Diesmal wird die Situation am Platz aber eine andere sein — noch mehr Emotionen, noch mehr Spannung und wohl eine einmalige Atmosphäre. Schade ist für Österreichs Nummer eins, dass aufgrund der aktuellen Gegebenheiten nicht so viele europäische Fans in den Vereinigten Staaten dabei sein werden. Die Ausgangslage ist aber nicht nur deshalb für Wiesberger klar: „Ich weiß ja gar nicht, wann zum letzten Mal die USA am Papier nicht Favorit waren.“ Zusatz: „Gespielt wird aber schon am grünen Rasen.“

Der Ryder Cup-Debütant wird beim „Auswärtsmatch“ jedenfalls von seinen Trainern Stuart Morgan und Phil de Busschere unterstützt, auch Bruder Niki und Vater Klaus sind bei der Premiere mit dabei. Ob und mit wem der Südburgenländer am Freitag in die Paar-Duelle startet (nicht alle zwölf Profis sind im Einsatz), wird der europäische Teamcaptain Pradraig Harrington im Rahmen der Eröffnungsfeier, die am heutigen Donnerstag stattfindet, bekanntgeben. Sollte Wiesberger am Beginn übrigens nicht dabei sein, wäre es spätestens am Sonntag soweit, wenn die zwölf Einzelmatches über die Bühne gehen.

Dann will der 35-jährige Wiesberger „die Situation genießen und so gut wie möglich für das europäische Team Punkte machen.“