Die härtesten Härtefälle der Saison-Annullierung. Die abgebrochene Meisterschaft wird nicht gewertet. Einige Leader hatten schon die Hand am Aufstieg. Wie geht es ihnen nun? Die BVZ fragte nach.

Von Patrick Bauer, Kevin Hasler, Martin Ivansich und Philipp Frank. Erstellt am 25. April 2020 (07:33)
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Sportlich grausam. Am letzten Spieltag der 2. Liga-Süd-Saison stieg das Team aus Großpetersdorf trotz einer 2:0-Halbzeitführung gegen Jennersdorf im Fernduell mit Heiligenkreuz am Ende doch noch ab. Nach der 2:5-Heimpleite musste die Mannschaft in die 1. Klasse Süd – danach regierte bei den Spielern Frust pur. In der neuen Liga war der Absteiger in dieser Saison aber bis dato eine große Nummer und steuerte als überlegener Leader in Richtung Wiederaufstieg. Dass nun die Meisterschaft annulliert wurde, ist beim Klub aus dem Südburgenland freilich ein sportliches Desaster.
Patrick Bauer

Der 15. April 2020 sollte ein wegweisender Tag für den Amateurfußball in Österreich und im Burgenland werden. Via Videokonferenz entschied das ÖFB-Präsidium unter dem Vorsitz von Präsident Leo Windtner mit den neun Landesverbands-Bossen sowie drei stimmberechtigten Bundesliga-Vertretern über die Saison 2019/2020.

Aus dem Burgenland war BFV-Präsident Gerhard Milletich zugeschaltet, der wie die weiteren zwölf Stimmberechtigten für eine Saison-Annullierung stimmte. Während bei den Vereinen aus dem Tabellenkeller leises Aufatmen angesagt war (auch wenn diese gerne gekickt hätten), gab es anderorts bei den Aufsteigern in spe Frust pur.

Mit am härtesten traf es den SV Großpetersdorf . Neun Punkte betrug beim 1. Klasse-Süd-Verein der Vorsprung auf den Zweiten, gar zehn auf den ersten Nichtaufstiegsplatz: Es war alles angerichtet für die 2. Liga Süd-Rückkehr über den Sommer. Daraus wird (vorerst) nichts.

„Auch Tage später ist es immer noch massiv enttäuschend“, sagt Obmann Harald Schneller. Rechtliche Schritte hielt man sich offen, will darüber aber noch einmal innerhalb des Vorstandes beratschlagen. Schneller: „Der gesamte BFV, nicht nur der Präsident, müssen jetzt Szenarien durchbesprechen. Es ist nicht absehbar, was passiert.“

Ähnlich bitter ist auch der Status quo beim ASV Gemeinde Tobaj , der im vergangenen Sommer sehr viel in seinen Kader investierte, Burgenlandliga-erprobte Kicker wie Lukas Spirk oder Niko Golenja an Land zog und jetzt die Quittung präsentiert bekam – bei sechs Punkten Vorsprung und dem um 14 Treffer besseren Torverhältnis. „Die Annullierung akzeptieren wir, das System 2. Klasse muss sich aber ändern. Passiert das nicht, ist die Zukunft des Vereins sehr offen“, so Trainer Georg Novak.

In der 2. Klasse Mitte war der SC Wiesen Erster, machte im Herbst fast alles richtig. Zehn Siege aus elf Spielen verbuchte die Mannschaft von Peter Strodl – sieben Punkte betrug der Vorsprung auf Verfolger Tschurndorf, neun Punkte auf Platz drei, den ersten Nichtaufstiegs-Platz. Am 18. März hätte bereits im zweiten Spiel der Rückrunde der direkte Showdown mit dem Zweiten stattgefunden — Corona kam dem zuvor. Bekommen wird der Klub für die Halbzeitführung nichts.

„Wie es bei uns weitergeht, da habe ich keine Ahnung“, so die erste Reaktion von Obmann Roman Pinter, kurz nachdem er die ÖFB-Entscheidung enttäuscht hinnahm. Mittlerweile hat sich der Vereinsboss mit seinem Funktionärsteam besprochen: „Uns gehen Prämien von der Gemeinde verloren, Sponsoren springen ab und deshalb wird sich einiges ändern. Wir müssen wieder von vorne beginnen, haben das Trainer-Duo freigestellt und werden unseren Fünf-Jahres-Plan, der auch den Aufstieg in die 2. Liga vorgesehen hatte, abhaken.“

Der ASV Horstein liegt zwar als Herbstmeister mit 30 Punkten nur einen Punkt vor Verfolger Neusiedl 1B, aber die ersten Zwei hätten aufsteigen dürfen, bereits acht Punkte lag man vor dem Drittplatzierten. Ungeschlagen holte sich die Mannschaft von Trainer Sebastian Reinprecht die Winterkrone.

Die Annullierung sah Obmann Christian Pölzlbauer aber dennoch gelassen. „Wir nehmen den Beschluss so hin. Was soll ich mich da jetzt aufregen? Eine Klage bringt nichts, das wäre nur kurzsichtig. Man sollte nun den Fokus auf eine vernünftige Perspektive und ordentliche Handhabung für eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs richten. Wie soll es in Zukunft weitergehen? Das ist für mich viel wichtiger“, so der Hornsteiner Vereinsboss.

Hart traf die Entscheidung der Annullierung auch den Tabellenführer der 1. Klasse Nord, ASV Steinbrunn . Bereits sieben Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten Neudorf, sowie acht Punkte Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz konnten die ASV-Kicker im Herbst aufbauen. Daneben ist man saisonübergreifend seit 26 Spielen ungeschlagen, beste Voraussetzungen für einen Aufstieg also. Dass diese Arbeit nun umsonst ist, ärgert Trainer Robert Rainalter: „Die Entscheidung ist einfach katastrophal. Es wurde wie immer der leichteste Weg gewählt und auch die rechtlich einfachste Lösung.“