Kaisers WM-Krönung. Die Neudörflerin Stefanie Kaiser schaffte es mit ihren ÖHB-Kolleginnen sensationell zur Endrunde nach Spanien.

Von Malcolm Zottl. Erstellt am 04. Mai 2021 (02:11)
Hatten die Gegner in der WM-Quali die Gegnerinnen im Griff. Stefanie Kaiser (l.), Ines Ivancok und Österreichs Damen-Nationalteam gewann zunächst in der Vorrundengruppe gegen Kosovo und Italien. Im Play-off behielten die Österreicherinnen gegen die favorisierten Polinnen die Nerven. 
Malcolm Zottl

Schlusssirene im polnischen Maki: Bei Österreichs Handball-Damen kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Die Spielerinnen lagen sich in den Armen, weil sie Historisches schafften. Erstmals seit zwölf Jahren zu einer Weltmeisterschaft fahren – und mittendrin die Neudörfler Kreisläuferin Stefanie Kaiser.

Was den großen Emotionen vorausging? 120 Minuten schweißtreibender Kampf gegen Polen, eine Mannschaft, die sich immerhin für die EM 2020 qualifizierte. Als Favorit in die Duelle mit den ÖHB-Damen ging. Dem 29:29 im Hinspiel in der Südstadt folgte ein Krimi im Rückspiel. Zehn Minuten vor dem Ende stand es ebenfalls Remis, ehe die Österreicherinnen zur Schlussoffensive ansetzten und 29:26 gewannen. Die große Feier blieb danach coronabedingt aus, auch wenn die Freude keine Grenzen kannte. Für alle Spielerinnen – bis auf Torfrau Petra Blazek, Sonja Frey und die derzeit verletzte Beate Scheffknecht – wird die Endrunde in Spanien im Dezember das erste Großereignis werden.

Kaiser seit über zehn Jahren im Teamtrikot

So auch für Kaiser, die im September 2010 ihr Teamdebüt gab. Knapp ein Jahr, nachdem Österreich in China zuletzt bei der WM anschrieb (Platz zehn). Damals war Kaiser 17 Jahre alt, stand am Beginn einer abwechslungsreichen Karriere. Über Erstligist Wr. Neustadt und Serienmeister Hypo Niederösterreich schaffte die 1,81 Meter große Kreisläuferin 2016 den Sprung zu Oldenburg in die Deutsche Bundesliga, es folgte ein weiteres Auslandsjahr bei Boden Handboll in Schweden, ehe es 2018 zu Hypo retour ging.

In der Nationalmannschaft ist die Tochter des ehemaligen Neudörfler Feuerwehr-Kommandanten und Bäckermeister Ewald Kaiser mittlerweile eine der routiniertesten Spielerinnen, stand für Rot-Weiß-Rot schon 77-Mal auf dem Parkett. Kaiser ist im Team zwar selten in den ersten Sieben, aber als Stütze enorm wichtig, als eine der Lautstärksten, als Motivatorin, als Antreiberin. Die WM-Quali war eine Willensleistung, genau dafür steht Kaiser.

Die 28-Jährige freut sich über ihren bisherigen Karrierehöhepunkt, will in Spanien mit ihren Kolleginnen für Furore sorgen, genauso wie drei Jahre später, bei der Heim-EM 2024. Zuvor geht aber der Alltag in der heimischen Liga weiter. Mit Hypo ist Kaiser die ganz große Favoritin auf das Double aus Cup und Meisterschaft, auch wenn Corona die Südstädterinnen in dieser Saison gleich mehrmals aus der Bahn warf. Erst am Samstag erfolgte die Rückkehr in den Ligabetrieb und bis zum Saisonende am 2. Juni warten noch zehn Matches auf Kaiser und Co.