Sport/Corona: Ein Anfang hier, viel Improvisation dort. Sportarten wie Tennis oder Golf sind seit 1. Mai wieder legitimiert, Bereiche wie Kampfsportarten stehen (fast) still. Die BVZ fragte nach.

Von Bernhard Fenz, Dietmar Heger, Daniel Fenz, Malcolm Zottl und Peter Wagentristl. Erstellt am 09. Mai 2020 (06:21)

Von einer Rückkehr zur Normalität zu sprechen, das ist in Zeiten der Corona-Krise schwierig. Um das Virus in Schach zu halten, begleiten uns die vorgeschriebenen Abstandsregelungen (im täglichen Leben ein Meter, beim aktiven Sport zwei Meter) sowie Hygienemaßnahmen weiterhin.

Und doch gibt es gerade im Sport wesentliche Unterschiede, was die Möglichkeiten für eine schrittweise Rückkehr zur besagten Normalität betrifft. Dort, wo sich die Beteiligten nicht zu nahe kommen, kann seit 1. Mai wieder mit gewissen Auflagen gewerkt werden – zwar noch nicht im Meisterschaftsbetrieb, aber immerhin.

Die BVZ wirft hier einen Blick auf breitenwirksame Sportarten wie Tennis oder Golf. Etwas Licht am Ende des Tunnels gibt es mittlerweile für Mannschaftssportarten, wo ein Training unter Einhaltung der Abstandsregel ab Mitte Mai wieder zugelassen werden soll. Das mag weit weg von der Normalität sein, darf aber als ein erster Schritt raus aus der Schockstarre interpretiert werden.

Andere Bereiche stehen dagegen bis auf weiteres völlig still. Die BVZ hat sich hier stellvertretend die Familie der Kampfsportarten herausgepickt, wo Körperkontakt die Grundvoraussetzung für eine Ausübung ist – und wo es vermutlich am längsten dauern wird, bis wieder ein Betrieb möglich sein wird.

„Alle mit einem breitem Grinser auf dem Platz“

Nicht so auf den Golfplätzen des Landes, wo seit 1. Mai auch die Breitensportler wieder abschlagen dürfen. Davor war das lediglich Profis wie Bernd Wiesberger vorbehalten, der am Platz im heimischen Bad Tatzmannsdorf trainiert – und als Weltklasse-Golfer bereits andere sportliche Sorgen hat. Stichwort Ungewissheit, wann die global agierenden Profiserien fortgesetzt werden können.

Auch die Anlagen der 128 burgenländischen Tennisklubs durften am vergangenen Samstag für alle Hobby- und Breitensportler ihre Pforten öffnen. „Alle, die ich gesehen habe, kamen mit einem breiten Grinsen auf den Platz“, war für BTV-Generalsekretär und TC Nickelsdorf-Obmann Markus Pingitzer die Freude über die Öffnung der Tennisplätze förmlich spürbar.

Wenig Freude gibt es hingegen bei der Familie der Kampfsportler, wie etwa Roland Poiger, Präsident des Burgenländischen Judoverbandes, berichtet. „Derzeit gibt es kein Indoor-Training, es kann nur an der Fitness gearbeitet werden.“ Trotzdem laufen auf organisatorischer Ebene die Planungen, etwa für die Staatsmeisterschaft der Allgemeinen Klasse am 17. Oktober in Oberwart. Poiger: „Derzeit steht noch keine Verschiebung oder Absage im Raum.“

Vertreten fühlt sich der Verbands-Chef übrigens vor allem auf oberster Ebene gut, wie er klarstellt: „Ich bin sehr froh, dass es mit Hans Niessl als Präsident bei Sport Austria an oberster Stelle einen Sportfanatiker gibt, dem der Breitensport zumindest so wichtig ist wie der Leistungssport.“

An der Tatsache, dass Kontaktverbot gerade Kampfsportarten bis auf weiteres ausbremst, ist jedenfalls nicht zu rütteln. Eine Ausnahme ist Karate. „Bei uns gibt es drei Säulen. Zwei können wir durchführen“, erklärt Eva Pauschenwein, von Frieways Karate. Bei Kihon (Technik) und Kata (Schattenkampf) brauchen die Karate-Kämpfer keinen Partner. Diese Disziplinen sind also bereits durchführbar. Einzig Kumite (Kampf mit Partner) fällt derzeit aus.

Outdoor dürfte unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen Kihon- und Kata-Training bereits stattfinden. Bei Frieways Karate wollen die Verantwortlichen, aus organisatorischen Gründen vorerst noch zuwarten. Die Hoffnung besteht, dass Ende Mai oder Anfang Juni auch die Hallen wieder aufsperren. Alle Sportler werden ohnehin weiter via Online-Training betreut. Pauschenwein weiß, dass Karate aktuell in einer privilegierten Lage ist: „Wir haben eine echte Perspektive, nicht vergleichbar mit anderen Kampfsportarten.“

Jiu Jitsu-Weltklasse in einem Haushalt

Im Vorteil ist auch, wer Trainingspartner im selben Haushalt hat — wie etwa die Schwestern Anna und Lisa Fuhrmann vom Jiu Jitsu Club Wallern. Während die meisten anderen Kampfsportler sich mit Trockentraining zufriedengeben müssen, haben die beiden nicht nur einander, sondern auch noch mit Vater Ferdinand einen Trainer in den eigenen vier Wänden. „Für Anna kommt die Pause nicht ungelegen, sie erholt sich derzeit noch von ihrer Schulter-Operation“, erklärt der Trainer und Vater.

Per Videokonferenz steht Therapie mit der Nationalteamtrainerin und Physiotherapeutin der österreichischen Jiu Jitsu-Fighter am Plan. „Trainiert wird auch bei uns im Garten und bei Oma im Keller, wo wir Matten aufgelegt haben“, so Fuhrmann.

Was Wettkämpfe angeht, müssen sich die beiden aber auf längere Pausen einstellen. Die für Sommer anberaumte Europameisterschaft wurde bereits abgesagt, für die Weltmeisterschaft Ende November in Abu Dhabi herrscht aber noch Hoffnung. Das dritte internationale Großevent, die World Games, wurde ebenso wie die Olympischen Spiele um ein Jahr verschoben.

Bei den Ringern steht ebenfalls der Betrieb still, wie der Neufelder Mario Schindler, U23-Nationaltrainer des Österreichischen Ringerverbandes, erzählt. „Das Konditions- und Krafttraining läuft in Kleingruppen nach Stundenplan ab. Was es aber weiter nicht gibt, ist Training auf der Matte mit Körperkontakt.“ Schindler zerbricht sich bereits darüber den Kopf, wie das Training möglichst bald wieder aufgenommen werden kann. Bis Ende Juni wurden vom internationalen Verband alle Kontinentalmeisterschaften abgesagt, die EM in Österreich kurz darauf findet wohl auch nicht statt.