Mentalcoach Wolfgang Seidl: "Sport ist reine Kopfsache". Wolfgang Seidl trainiert Sportler auf der psychischen Ebene – neben dem Ausdauerbereich mittlerweile auch im Fußball.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 07. November 2019 (05:57)
Patrick Bauer

Malerisch liegt der Treffpunkt an der burgenländischen Grenze nahe Fürstenfeld, der den Namen „Am Schwalbenhof“ trägt. Vor wenigen Jahren noch ein Acker, mittlerweile ein mit viel Liebe und Akribie konstruierter Schaugarten. Kerstin Teubl und Wolfgang Seidl investierten Zeit und Leidenschaft, um das Braun in Grün zu verwandeln. 2012 kam für Seidl dann die berufliche Trendwende, Jahre bevor er sich (auch) der Gartenarbeit verschrieb. Damals war er in Luxemburg in der Wirtschaft tätig, ehe er sich neu orientierte und der 43-Jährige in den Sportbereich wechselte. Genauer gesagt in das Mentalcoaching. „Ich sah dort viel Potenzial.“

In Bregenz wurde dabei ein Lehrgang der Uni-Salzburg angeboten, den der gebürtige Steirer absolvierte und nebenbei noch Zeit fand, selbst sportlich aktiv zu sein. Untertrieben ausgedrückt, denn sein letzter Wettkampf war beim Ironman auf Hawaii, wo nur die Härtesten durchkommen: 3,86 Kilometer sind schwimmend, 180,2 Kilometer radelnd und zum Drüberstreuen noch ein Marathon über 42,195 Kilometer laufend zu überwinden. Seidl schaffte es, die positiven Gedanken halfen. Willkommen im Bereich des Mentaltrainings.

Neu sind sogenannte Coaches in diesem Bereich freilich nicht. Hierzulande gebe es „jede Menge“, die aber oft im „Sozialbereich“ tätig seien. Vor allem im Fußball wird diese Komponente stiefmütterlich behandelt: „Da ist weiter viel Überzeugungsarbeit nötig.“ Dabei macht es gar Sinn, wie Seidl erklärte: „Generell geht es darum, dass der Kopf leistungsfähiger wird. Macht ein Spieler einen Fehler, wird er unsicher, ehe er sich vielleicht nach dem zweiten Fehler ganz aus dem Spiel nimmt, passiv wird und Bälle nicht mehr fordert. Passiert das nur bei einem oder zwei Spielern, bringt es das gesamte System aus dem Ruder. Gerade deshalb ist es spannend, wie wenig Wert auf die mentale Komponente gelegt wird.“

„Körperlich ist quasi jeder in der Lage einen Ironman zu schaffen, mental nicht. Da komme ich ins Spiel.“ Mentalcoach Wolfgang Seidl über den Kopf, der auch im Fußball extrem wichtig ist.

Erst fast nur im Ausdauerbereich tätig, kam Seidl, dank eines burgenländischen Fußballers ins Grübeln, ob er nicht auch die Kickerei in sein Blickfeld aufnehmen sollte. „Mein allererster Spieler, den ich betreute, spielte beim UFC Jennersdorf. Der kam über eine Empfehlung zu mir. Eigentlich hatte ich Fußball gar nicht so auf dem Schirm, aber ich merkte während des Coachings schnell, wie viel Potenzial darin steckt.“ Es sollte nicht der einzige rot-goldene Kicker bleiben. Seidl, der natürlich auf Anonymität seiner Klienten bedacht ist, auch weil Mentaltraining diesbezüglich ein heikles Feld bleibt, erzählt: „Derzeit betreue ich einen burgenländischen Bundesliga-Kicker, einige Spieler aus der Fußballakademie Burgenland und einige Spieler aus der Regional- und Burgenlandliga.“

Etwaige Rückschläge in Form von negativen Erlebnissen werden in Kauf genommen, aufgeben sei keine Alternative. „Körperlich ist quasi jeder in der Lage einen Ironman zu schaffen, mental nicht. Da komme ich ins Spiel.“ Von heute auf morgen gehe es aber nicht, denn „Mentaltraining“ sei ein „Prozess“. „Jeder hat Hürden zu überspringen, aber mit jeder Hürde entwickelt man sich weiter,“ so der Mentalcoach, der via www.mana4you.at zu erreichen ist.