Milletich: „Thema Frauenliga hat eine echte Zukunft“. Der BFV-Boss spricht, warum es eine Frauenliga braucht, wie Hallenfußball schmecken könnte und was im TV gezeigt werden soll.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 09. Januar 2019 (06:24)
Martin Ivansich
Fußballverbands-Präsident Gerhard Milletich (l.) stand in seinem Büro BVZ-Sportchef Bernhard Fenz Rede und Antwort.

Im zweiten Teil des Interviews mit Gerhard Milletich nimmt der Präsident des Burgenländischen Fußballverbands (BFV) zu rot-goldenen Themen wie Frauenfußball, Hallenfußball, aber auch zu bundesweiten Stichworten wie den neuen Ligaformaten in der ersten und zweiten Leistungsstufe, den TV-Rechten und dem ÖFB-Präsidium Stellung.

Diesen Samstag steigt das BFV-Hallenmasters in Oberwart mit den besten sieben Teams nach der Qualifikation und den SVM Amateuren als Titelverteidiger. Die Finalveranstaltung ist ein Highlight, ansonst ist die Hallensaison sehr durchwachsen, weil der Andrang überschaubar ist. Warum?

Gerhard Milletich: Natürlich wäre es besser, wenn mehr Vereine spielen würden – auch weil ich glaube, dass die Pausen zu lange sind. Ich lasse zudem die Ausrede der Verletzungsgefahr nicht gelten. Allerdings müsste man die Turniere vom Niveau her unterscheiden. Wenn nämlich unterklassige Vereine abgeschossen werden, ist das nicht gerade motivierend.

Gibt es eine Alternative?

Es wäre zu hinterfragen, ob man nicht generell Turniere – etwa der 2. Ligen et cetera – spielen könnte.

Dann müsste man aber das Punktesystem in der Qualifikation neu bewerten.

Genau so ist es. Das müsste man dann hinterfragen. Wenn aber im jetzigen System von vornherein klar ist, wer gewinnen wird, verlieren die anderen Vereine die Lust.

Im jetzigen System sind jene Klubs beim Masters, die die meisten Qualifikationspunkte holen. Turniere mit unterklassigeren Teams werden von den Punkten aber auch niedriger bewertet.

Könnten wir Turniere in allen drei Regionen austragen und dort auch Masters-Tickets vergeben, hätten Klubs wieder wirkliche Chancen auf eine Qualifikation und nicht nur die Spezialisten, die Turniere so besetzen, damit es sich rechnerisch ausgeht. Ich habe den Frust bei manchen Klubs erlebt. Gleiches mit Gleichem spielen zu lassen, wäre ein Ansatz.

Stichwort Frauenfußball. Dort gibt es zeitnah keine eigene Liga im Burgenland, aber dafür im Frühjahr als Pilotprojekt einen eigenen Cup-Bewerb. Wie stehen Sie zur aktuellen Entwicklung? Ist das ein Kompromiss, eine Basis oder eine Augen-Auswischerei?

Martin Ivansich
Reden wir d’rüber: Frauenfußball ist auch beim BFV ein heißes Thema. Über kurz oder lang braucht es laut Gerhard Milletich „dringendst“ eine eigene Liga im Burgenland.

Im Moment tun wir uns wahnsinnig schwer. Wir haben das Problem, dass nicht alle Vereine eine eigene Liga befürworten, was die Gründung erschwert. Man muss aber schon darauf achten – und dessen sind sich die Klubs oft nicht bewusst -, dass wir in anderen Bundesländern eigentlich nur geduldet sind. Darum müssen wir dringendst etwas ins Leben rufen. Mit dem Cup haben wir den ersten Schritt gesetzt, aber eine eigene Liga ist in Zukunft nötig.

Parallel wird die Initiative Mädchen am Ball, also eine Nachwuchs-Förderung in den Volksschulen, burgenlandweit ausgerollt. Wie wichtig sind solche Aktionen für den Verband?

Diese Aktivitäten, die von der ASKÖ ausgehen, sind für die Entwicklung im Mädchen- und Frauenfußball ganz wichtig und werden sicher Früchte tragen. Das kann uns künftig ermöglichen, gezielte Aufbauarbeit zu betreiben.

Ist die Vision realistisch, dass in 15 bis 20 Jahren alle Vereine auch über eigene Mädchen- respektive Frauenmannschaften verfügen?

Ganz so optimistisch würde ich es nicht sehen. Ich glaube aber, dass es mittelfristig gelingt, zumindest drei bis vier Ligen zu haben, also eine Landesliga und darunter je eine Klasse pro Region. Dieses Thema hat echte Zukunft, braucht aber auch das nötige Umfeld.

Was braucht es strukturell?

Meine Erfahrung in Parndorf mit einer Frauenmannschaft im Meisterschaftsbetrieb war, dass die Eigenständigkeit ein Problem sein kann, also wenn das Team nicht im gleichen Maß in den Verein integriert ist wie alle anderen Mannschaften. Es sollte ein gleichwertiger, echter Bestandteil des normalen Spielbetriebs sein.

Also keine Sektion Frauen oder dergleichen?

Das wäre genau der verkehrte Weg. Dann habe ich immer eine gewisse Teilung drin. Man muss diese Mannschaften als Bestandteile des Vereins sehen und nicht als Außenstelle. Ich habe bereits die Erfahrung gemacht, dass das sonst gar nicht einfach ist.

Derzeit gibt es keinen burgenländischen Ostligisten, der sich für einen Aufstieg in die neue 2. Liga aufdrängt. Ist das Format mit besagter 16er-Liga nach den ersten Erfahrungen überhaupt erstrebenswert?

Jetzt ein Urteil abzugeben, wäre nicht korrekt. Man muss der Liga Zeit geben, um zu schauen, ob sie funktioniert. Ich glaube schon, dass sie eine Chance hat. Man sieht aber, dass es sportlich nicht einfach ist, in der vermeintlich einfacheren Liga zu überleben. Derzeit sind zwei Klubs aus der Ostliga abstiegsgefährdet, was wiederum bedeuten würde, dass es aus der Regionalliga Ost dann vier Absteiger geben würde.

Wie gefällt Ihnen in der Bundesliga das neu gestaltete Format der Zwölferliga?

Hier gilt dasselbe wie für die 2. Liga. Ein endgültiges Urteil zu bilden ist verfrüht. Bislang war es sehr spannend, weil es ja um den ominösen Strich geht. Allerdings glaube ich, dass nach der Teilung die untere Hälfte von den Zuschauerquoten her ein echtes Problem wird.

Hätten Sie in der obersten Liga die Zehnerliga beibehalten?

Ja, das hätte ich.

In der 2. Liga waren Ihnen zehn Klubs ein Dorn im Auge – weil der Direktaufstieg nicht möglich war.

Der Zugang, die 2. Liga zu öffnen, war unbedingt nötig, weil Österreich nach jetzigem Stand keine 20 Profivereine verträgt. Es wäre aber trotzdem ideal gewesen, hätten wir oben die Zehnerliga beibehalten – dann wäre auch die Kompaktheit der Liga gegeben geblieben.

Mittlerweile sind die Spiele der Tipico Bundesliga nur noch auf Sky zu sehen, im Free-TV nur noch am Abend als Zusammenfassung – es gibt kein Live-Spiel mehr. Wie bewerten Sie die Tendenz ?

Die Live-Übertragung auf Sky ist eine international übliche Top-Geschichte. Und ich verstehe die Vereine, weil das ja auch eine Geldfrage ist. Auf der anderen Seite gibt es nicht mehr das Sonntags-Live-Spiel auf ORF, was ein Nachteil ist. Ich befürchte, dass sich aus der breiten Masse viele Kinder nicht mehr mit den Spielern identifizieren können. Aus den Augen, aus dem Sinn: Der fehlende Bezug ist eine echte Herausforderung für die Zukunft.

Das heißt, das bisherige System war aus Ihrer Sicht besser?

Ja. Beides hat seine Berechtigung, sowohl die hochqualifizierte Pay-TV-Übertragung, aber auch das Bedienen der breiten Masse im Free-TV.

Wie steht es um die Zukunft der BFV-Zentrale in Eisenstadt. In der Vergangenheit gab es Gerüchte, wonach der Grund verkauft werden sollte und ein Umzug geplant sei, als neuer Standort wurde etwa das VIVA-Landessportzentrum in Steinbrunn kolportiert.

Derzeit ist das kein Thema. Klar ist aber auch, dass wir natürlich Möglichkeiten prüfen, sollte sich etwas auftun.

Sie sind einer von neun Landesverbandspräsidenten im ÖFB-Präsidium. Kritiker meinen, in dem Entscheidungsgremium hätten die Länder mit je einer Stimme zu viel Mitsprache.

Es braucht Entscheidungsträger – und Fußball lebt ja nicht nur vom Profibetrieb und der Nationalmannschaft, sondern vor allem auch von der breiten Masse in ganz Österreich. Wenn wir den nicht so abwickeln, hätte auf Sicht gesehen keine Profiliga eine Chance.

Auch die Fachkompetenz der Landesbosse in Bezug auf das Profitum kam kritisch zur Sprache.

Ich für meinen Teil maße mir nicht an, Trainer zu sein, aber ich glaube schon mich auszukennen und kann sicher viel über Fußball urteilen, nicht nur im Amateur- sondern auch im Profibereich. Da spreche ich für alle meine Kollegen im Präsidium.

Das Nationalteam spielt in der EM-Qualifikation gegen Polen, Israel, Slowenien, Mazedonien und Lettland. Muss man ob dieser Gruppe ein Ticket einfordern?

Im Fußball gibt es kein Muss, aber die Chancen stehen sehr gut. Wir haben eine sehr starke, intakte Nationalmannschaft und viele Junge, die hineindrängen und die Klasse weiter heben können. So, wie wir mit dem Trainerteam, dem Management und den Spielern aufgestellt sind, können wir es schaffen – und eine gute Rolle bei der EURO 2020 spielen.

Sie sind 62 Jahre alt, 2020 findet beim BFV die nächste Wahl statt. Werden Sie auch weiterhin als Präsident des Verbands zur Verfügung stehen?

Das hängt einmal von der Gesundheit ab und auch von den Vereinen des BFV, die dann mit ihrer Wahl über die Zukunft entscheiden. Grundsätzlich fühle ich mich aber nicht amtsmüde und auch soweit bei Kräften, um die Position weiter ausüben zu können.

Hier geht's zum ersten Teil des Interviews: