AKA Burgenland trotz vieler Turbulenzen erfolgreich. Zuerst Corona, dann SVM-Pleite, jetzt Lockdown – leicht hatten es die AKA Burgenland-Burschen nicht.

Von Martin Plattensteiner. Erstellt am 09. Dezember 2020 (05:34)
Für die Akademie-Mannschaften gab es einen intensiven Herbst mit einem dichten Programm.
Ivansich

Das Kalenderjahr 2020 hat(te) es in sich. Liga-Abbruch im Frühjahr, die Commerzialbank-Pleite samt SVM-Untergang im Sommer, seit Wochen wieder im Lockdown-Training samt zahlreicher Corona-Tests – da war die Meldung, dass sich Manuel Takacs als Sportlicher Leiter der Fußballakademie Burgenland mit Ende des Jahres in Richtung LASK verabschiedet, fast noch zu verschmerzen.

Denn diesen neuen Sprung auf der persönlichen Karriereleiter vergönnt man dem baldigen Ex-Chef doch. Die BVZ bat ihn zur gemeinsamen Analyse des sportlichen Herbstes.

U15-Team wurde rasch zur Einheit

Durch den 4:1-Erfolg im Nachtrag am Donnerstag konnte Red Bull Salzburg im Duell Zweiter gegen Dritter nicht nur die Admira hinter sich lassen. Die Bullen (25 Punkte) verdrängten die rot-goldene U15-Truppe des Trainerduos Christoph Morgenbesser und Manuel Weber noch von Rang eins. Bei einem Remis wären die Burgenländer mit 24 Punkten Winterkönig gewesen. Sei’s drum, Rang zwei ist auf jeden Fall ein Riesen-Erfolg.

„Die Vorarbeit wurde bereits mit der erfolgreichen Sichtung des Jahrgangs 2006 geleistet“, erklärt Takacs. „Aufgrund der sehr guten Arbeit in der Talente-Schiene des BFV (Anm.: LAZ und Landesauswahl) haben wir gewusst, dass es im Burgenland 2006er mit hoher Qualität gibt. Diese konnten wir beinahe alle, trotz vehementer Abwerbungsversuche anderer Akademien, bei uns halten. Zudem ist es uns gelungen, Spieler mit hoher Qualität aus anderen Bundesländern zu verpflichten.“

Binnen kurzer Zeit gelang es Morgenbesser/Weber im Sommer eine homogene Mannschaft zu basteln. Diese verfügt über eine gesunde Mischung aus Kickern mit hoher Spielfähigkeit und Spielintelligenz sowie Jungs mit enormer Schnelligkeit. Der Südburgenländer Johannes Polster, der vor Beginn seiner AKA-Laufbahn als Spielgestalter auf sich aufmerksam machte, wurde zum Innenverteidiger umfunktioniert. „So konnten wir beim Überspielen der ersten Pressing-Linie des Gegners kreativer agieren“, erläutert Morgenbesser.

Goalgetter: U15-Stürmer Gabriel Macic war der treffsicherste Akademie-Kicker im Herbst. Insgesamt gingen elf Treffer auf das Konto des Stürmers. In der Schützenliste der U15-Meisterschaft liegt er auf Platz drei.
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Mittelstürmer Gabriel Macic traf in der Hinrunde insgesamt elfmal. Zumeist bildete er mit Marcel Stöger und Gabriel Federer (beide fünf Treffer) den Dreierangriff in der 4-3-3-Grundordnung. „Auch die anderen Kicker waren stark. Sie haben die drei Stürmer durch viel Laufarbeit, Qualität im Ballbesitz und passende Assists unterstützt“, spricht Takacs ein Pauschallob aus. Lediglich einmal war man chancenlos – bei der 0:7-Abfuhr gegen Salzburg. „Da haben wir den Gegner unterschätzt und dachten, dass alles von alleine geht“, so Morgenbesser. „Daraus haben wir sehr wohl gelernt.“

Spät in die U16-Spur eingebogen

Drei Niederlagen und nur ein Remis, die U16-Kicker spannten die Betreuer lange auf die Folter, ehe der erste Sieg eingefahren werden konnte. Das 2:0 über Wolfsberg war dann so etwas wie ein Befreiungsschlag. Danach stabilisierten sich die Leistungen und damit kamen auch Punkte aufs Konto. „Mir haben vor allem die Auftritte bei Rapid Wien (Anm.: 1:1) und gegen St. Pölten enorm imponiert“, verrät Takacs.

Gegen die Grün-Weißen aus Hütteldorf musste das Team um U18-Leihgabe und Kapitän Justin Strodl rasch das 0:1 sowie einen Ausschluss hinnehmen. Was folgte, war stark. Man ließ sich nicht hängen, kämpfte sich zurück und Lind Hajdari gelang der Ausgleich. Am Ende wären drei Punkte drin gewesen.

„Gegen St. Pölten sind wir bereits 0:2 in Rückstand gewesen, ehe das Team das Spiel noch in ein 3:2 verwandeln konnte. Die Mannschaft hat in dieser Phase der Meisterschaft viel Selbstvertrauen getankt und das mit dem 1:0 in Vorarlberg unter Beweis gestellt“, freute sich der AKA-Sportchef.

Nach Niederlagen gegen Red Bull Salzburg (1:3) und Ried (1:3) gab es mit dem 3:1-Heimsieg gegen die Admira einen versöhnlichen Saisonabschluss und die AKA U16 überwintert auf Rang sechs im Tabellenmittelfeld. Flügelflitzer Abdulkadir Ceri war mit vier Treffern der erfolgreichste burgenländische Schütze. Lind Hajdari sowie die U18-Leihgaben Justin Strodl und Niklas Lang folgten mit je zwei Volltreffern.

Schock durch SVM-Aus verdaut

Von der SVM-Insolvenz stark betroffen war vor allem die U18. Einige Spieler trainierten bereits bei den SVM-Amateuren und hatten fest mit dem Einstieg in den Erwachsenenfußball gerechnet. „Es war keine einfache Situation. Nach Gesprächen haben sich beinahe alle Spieler entschieden, weiterhin im Akademiefußball zu bleiben und österreichweit auf sich aufmerksam zu machen“, erinnert sich Takacs. Tizian Marth, Robert Gregull, Timo Schmelzer, Marc Kögl und Jürgen Lemmerer blieben der U18 treu. Elias Jandrisevits wechselte zum SV Oberwart in die Burgenlandliga, wo er sofort zum Stammspieler wurde.

Die aktuelle Mannschaft überwintert mit zehn Punkten am vorletzten Platz, befindet sich aber auf Tuchfühlung zum Mittelfeld. Der Start verlief mit der 3:5-Niederlage gegen Tirol enttäuschend, vor allem weil man eine 3:1-Führung leichtfertig aus der Hand gegeben hatte. Den ersten Sieg gab es am zweiten Spieltag mit dem 3:1-Heimsieg gegen LASK.

Positive Auftritte lieferte das Team von Cheftrainer Christoph Witamwas auch gegen Austria Wien (1:2) und Sturm Graz (0:0). „Im U18-Bereich haben die Bundesliga-Klubs den Vorteil drei Spieler des Jahrgangs 2002 (Anm.: U19) einsetzen zu können. Da wir keine Mannschaft mehr über der U18 haben, ist dies bei uns nicht möglich“, erklärt Trainer Witamwas, der darauf hinweist, dass im Durchschnitt sechs Spieler des Jahrganges 2004 und fünf des Jahrganges 2003 in der Startelf standen.

Die Höhepunkte waren mit Sicherheit die Siege in Vorarlberg (4:2) und gegen die Admira (6:2). Jürgen Lemmerer war mit sechs Toren der erfolgreichste Torschütze, gefolgt von Milan Martinov mit drei. Takacs: „Obwohl die Ergebnisse nicht immer gestimmt haben, ist es dem einen oder anderen Spieler doch gelungen, sich in die Notizblöcke von Klubs aus der Bundesliga und der 2. Liga zu spielen. Das freut mich sehr.“