Milletich: „Mit einem blauen Auge davongekommen“. Burgenlands Fußballverbands-Präsident Gerhard Milletich ist nach einer gesundheitsbedingten Auszeit wieder völlig fit.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 21. November 2020 (02:22)
Richtung nach vorne. Zwar steht der Betrieb im Amateurfußball derzeit still, Burgenlands Fußballverbands-Präsident Gerhard Milletich ist aber zuversichtlich, dass die aktuelle Meisterschaft zumindest gewertet werden kann und dann ab der Saison 2021/2022 auch wieder die Normalität zurückkehren wird. Martin Ivansich
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Wer das Coronavirus und seine Gefahren verharmlost, ist bei BFV-Präsident Gerhard Milletich definitiv an der falschen Adresse. Der 64-Jährige sah sich Ende Oktober in der Woche vor dem Nationalfeiertag mit einer positiven Diagnose konfrontiert und durchlebte, wie er gegenüber der BVZ klarstellt, in weiterer Folge „gar nicht so leichte Symptome. Das hat mich schon sehr mitgenommen. Klar gibt es auch symptomlose Verläufe. Aber aufgrund der eigenen Erfahrungen hätte ich für all jene, die noch immer meinen, man könne das Virus generell auf die leichte Schulter nehmen, einige Antworten parat.“

Etwa, dass vor allem auch die Atemnot sehr belastend ist. Nicht zuletzt deshalb war der Parndorfer in einer Situation auch auf ärztliche Hilfe angewiesen, der Gang ins Spital blieb dem Medien-Unternehmer erspart. „Die Rettungskette hat sehr gut funktioniert, der in diesem Zusammenhang automatisch verständigte Notarzt wurde dann vom behandelnden Arzt wieder zurückbeordert, denn zum Glück war es dann nicht so krass wie befürchtet. Die Atemprobleme konnten medikamentös gelöst werden.“

„Es ist eine wirklich schlimme Vorstellung, nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden zu können, weil kein Bett mehr frei ist.“ Gerhard Milletichs Gedanken nach seiner eigenen Covid- Infektion über das Thema Intensivbetten-Knappheit

Auch die Frage, wie sehr die nötige Kapazität an Intensivbetten in den Spitälern tatsächlich über allem stehen sollte, ist für Milletich nun noch klarer zu beantworten. „Es ist eine wirklich schlimme Vorstellung, hätte der Arzt in der besagten Situation gemeint, dass ich ins Krankenhaus eingeliefert werden müsse, dort aber einfach kein Bett mehr frei ist. Das sind schon Erfahrungswerte, die prägen.“

Mittlerweile ist der Chef des Fußballverbands wieder voll bei Kräften, auch ein umfangreicher Gesundheitscheck ergab grünes Licht. „Ich bin hier sicher noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen,“ sagt Milletich, der sich nun unter anderem wieder dem Geschehen im BFV widmen kann. Auch wenn der Betrieb des Fußballverbands aktuell steht.

Appell für den NPO-Unterstützungsfonds

Der Stillstand würde von der überwiegenden Anzahl an Klubs im Burgenland auch mit absolutem Verständnis akzeptiert, berichtet Milletich aufgrund der Reaktionen. Dass nach dem Saisonabbruch im März nun auch die aktuelle Meisterschaft noch im Kalenderjahr 2021 Corona-bedingt unterbrochen werden musste, spitzt die Lage emotional und wirtschaftlich freilich zu – weil es heuer zwar weit weniger Ausgaben als sonst gibt, die gewohnten Einnahmen aber großteils völlig wegbrachen.

Um die Lage in den meist schwach gefüllten Klubkassen in der Corona-Krise ein wenig zu verbessern, gibt es seit geraumer Zeit die Möglichkeit finanzielle Hilfe über den NPO-Unterstützungsfonds zu beantragen. „Mein Appell an die Vereine lautet, sich diese Thematik genau anzusehen und danach zu trachten, auf den NPO-Fonds zugreifen zu können.“ Um auf wirtschaftlicher Ebene durchzuhalten, bevor wieder bessere Zeiten anbrechen.

Rein sportlich sieht es bei der Punktejagd zumindest nicht ganz so düster aus, was eine Wertung betrifft. Zur Erinnerung (die BVZ berichtete): Ist die Hälfte der Spiele absolviert, respektive hat jeder gegen jeden Klub zumindest einmal gespielt, würde die Saison auch im Fall eines vorzeitigen Abbruchs gewertet werden. In den 2. Klassen im Süden wird in drei Achterligen gespielt, hier braucht es für eine Wertung zumindest jenen Zwischenstand, dass jeder gegen jeden zweimal gespielt hat. Milletich: „Ich bin grundsätzlich überzeugt, dass wir es überall in die Wertung schaffen und glaube auch, dass sich darüber hinaus weitere Spiele ausgehen sollten.“ Wird mehr als ein Drittel des Frühjahrs absolviert, soll dann bei einem etwaigen Abbruch der Stand der Tabelle herangezogen werden. Im Fall von unterschiedlicher Spielanzahl mehrerer Teams müsste der Quotient entscheiden – also das Ergebnis, wenn man die Punkte durch die Anzahl der Spiele dividiert.

„Streben Lösung an, die zufriedenstellt“

Wie weit die Meisterschaft tatsächlich fortschreiten wird und ob tatsächlich ein Quotient über Auf- und Abstieg entscheidet, könne man freilich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht prognostizieren. Dafür müssten erst einmal die weiteren Trends nach der aktuellen Covid-Lage und dem Lockdown abgewartet werden. Stichwort: Ab wann ist wieder ein Training möglich? Ab wann könnten die versäumten Runden vom Herbst nachgetragen und eingebaut werden? Und ganz nebenbei: Wird das Wetter mitspielen, wenn etwa bereits vor dem ursprünglich terminisierten Frühjahrssaison-Beginn (4./5./6. März 2021) Nachtragspartien angesetzt werden, um möglichst rasch die Minimalanforderung für eine Wertung zu schaffen?

Hier gibt sich Milletich diplomatisch, was bleibt ihm auch anderes über: „Ich glaube daran, dass wir bei der Durchführung im Rahmen der Möglichkeiten eine Lösung finden, die die Mehrheit der Vereine hoffentlich auch zufriedenstellt.“ Mehr als diese Ansage an der Oberfläche sei zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht drin, das bestätigt auch BFV-Geschäftsstellenleiter Karl Schmidt: „Wir können den Vereinen auch beim besten Willen nicht die Planungssicherheit bieten, die sie sich erhoffen. Dafür haben wir einfach zu wenige Infos, was die unmittelbare Zukunft nach dem Lockdown betrifft.“

„Sonderfall-Team“ sondiert und evaluiert

Zumindest sind aber die BFV-Bestimmungen in der Corona-Saison so beschlossen worden, dass der Verband auch noch kurzfristig Änderungsmöglichkeiten hat und spontan auf diverse Gegebenheiten reagieren kann. So soll vermieden werden, dass die Meisterschaft aufgrund von starren Bestimmungen in eine falsche Richtung läuft. Andererseits ist natürlich auch Flexibilität von den Vereinen gefordert, wenn im Bedarfsfall am Regulativ geschraubt werden müsste.

Für besagte, nicht geregelte Fälle, oder sogenannte „Sonderfälle“, ist auch ein Team nominiert, das sich aus dem Spielausschuss-Vorsitzenden Josef Bauer, Karl Schmidt, Burgenlandliga-Obmann Josef Pekovics sowie den drei Gruppenobmännern Josef Hafner (Süd), Gerhard Kornfeind (Mitte) und Joachim Wild (Nord) zusammensetzt. Die besagten Herren haben sich zuletzt bereits im virtuellen Raum getroffen, um laut Schmidt „die Situation zu sondieren und evaluieren. Da geht es um Fragen, ob bei den Bestimmungen nachjustiert werden muss, wie eine variable Termingestaltung aussehen könnte und dergleichen. Noch ist aber deshalb nichts spruchreif, weil wir selbst nicht mehr machen können, als diverse Szenarien durchzudenken, uns bestmöglich vorzubereiten und ebenfalls abzuwarten, bis konkrete weitere Maßnahmen der Bundesregierung folgen.“

Die BFV-Geschäftsstelle am Hotterweg in Eisenstadt bleibt für den Fall der Fälle besetzt. Service-Bedarf besteht aktuell aber keiner.
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Vorerst gilt es also durch den gefühlten totalen Stillstand zu tauchen. Die BFV-Geschäftsstelle bleibt dabei mit einem – auch personell – eingeschränkten Betrieb für etwaige Probleme besetzt. Schmidt: „Wir sehen das als Service, das aufrechterhalten werden soll. Aktuell gibt es seitens der Vereine aber keinen großen Bedarf, angesichts des Lockdowns ist das auch nachvollziehbar.“