Yvonne Lindner und die Mädchen-Offensive. Yvonne Lindner will mehr Frauen und Mädchen zum Fußball und das Männersport-Image „aus den Köpfen“ bringen.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 13. September 2020 (06:14)
Yvonne Lindner, Ex-NSC-Kickerin und neue Mädchen-und Frauenfußballreferentin des BFV.
zVg

Das Referat Mädchen- und Frauenfußball des Burgenländischen Fußballverbands (BFV) und die neue Leiterin Yvonne Lindner stehen vor einer großen Herausforderung: Wie bringt man mehr Mädchen in Fußballvereine und räumt mit der Vorstellung vom Männersport auf?

Ex-Kickerin. Yvonne Lindner war zuletzt als Spielertrainerin beim SC Neusiedl aktiv.
Schneeweiß

Für die 37-Jährige, die viele Jahre lang selbst aktiv war, ist klar: Die Hebel müssen weiterhin vermehrt im Nachwuchsbereich angesetzt werden.

„Fußball soll nicht länger nur für Jungs sein, Mädchen soll in Vereinen genauso die Möglichkeit geboten werden, Fußball zu spielen, am besten mit eigenen Mädchenteams und Trainerinnen“, fordert die ehemalige Kickerin. Im Burgenland gibt es derzeit nur sieben Frauen-Kampfmannschaften (aus fünf Vereinen), im Nachwuchsbereich stellen immerhin 16 Vereine Mädchenteams. Hier gebe es noch viel Luft nach oben, erklärt die BFV-Referatsleiterin.

Letztlich sollen die Kinder die Basis für die Erwachsenen bilden. Eine eigene burgenländische Frauenliga ist und bleibt das rot-goldene Ziel – derzeit ist das aber noch Zukunftsmusik: „Dafür gibt es zu wenig Vereine mit zu großem Niveau-Unterschied. Die bestehenden Teams spielen lieber in Niederösterreich, Wien oder der Steiermark, als für ein 15:0 durch das Burgenland zu fahren“, bringt es Lindner auf den Punkt.

Langfristig soll aber definitiv eine eigene rot-goldene Liga entstehen. „Das wird es aber nicht von heute auf morgen geben. Dafür ist zuerst langfristige Aufbauarbeit im Nachwuchsbereich notwendig“, schätzt die Ex-Kickerin. Erfreuliche Ausnahmen sind hier erste Mädchenligen in der U13, der U11 und U10 der Gruppe Mitte/Nord, auch im Süden tut sich in der U12 und U10 schon etwas. „Ein Lichtblick, so kann es gehen.“

„Fußball ist cool, nicht nur Tanzen und Reiten“

Neben der Aufbauarbeit steht aber nach wie vor auch noch „Aufklärungsarbeit“ an: „Wir müssen die Vorstellung aus den Köpfen bekommen, dass Fußball ein Männersport ist. Alle können Fußball spielen.“ Diese Einsicht scheint einigen Vereinen und Eltern noch nicht gekommen zu sein. „Es hat sich, seit ich angefangen habe, schon viel getan. Aber teilweise hört man noch immer komische Meldungen“, ärgert sich Lindner.

Viele Vereine legen keinen Wert auf Mädchenfußball. Die Wertschätzung, die etwa Tennis-Spielerinnen und Skifahrerinnen entgegengebracht wird, fehle hier – und schlägt sich auch auf den Ehrgeiz nieder: „Oft kommen Spielerinnen wegen Schularbeiten, Kopfweh oder ganz ohne Grund nicht zum Training. Bei Burschen ist das anders, weil der Stellenwert ein anderer ist.“ Das gilt es dringend zu ändern.

„Frauenfußball muss mehr gepusht werden, wir müssen den Mädchen zeigen: Kicken ist cool, nicht nur Reiten oder Turnen“, kämpft Lindner gegen das Macho-Image ihres Sports. Wichtig sei auch, dass die Mädchen die Möglichkeit haben, mit anderen Frauen zu kicken. „Nur mit Burschen spielen zu können hält viele Mädchen davon ab, überhaupt mit Fußball anzufangen.“

Mit dem ersten reinen Frauentrainerkurs will man nun einen weiteren Mosaikstein für einen starken rot-goldenen Frauenfußball legen – und mit dem neuen Stützpunkt für Nachwuchs-Kickerinnen in Frauenkirchen sowie dem Schwerpunkt Mädchenfußball der HAK Stegersbach hat das Burgenland zwei weitere Projekte, die den langen Weg zu einem breit gestreuten Spielbetrieb ebnen sollen.