Fußball: Zuschauer-Bonus am Wegschmelzen. Die Vereine kommen nun unter Druck. Ohne zugewiesene Sitzplätze sind nur noch maximal 100 Besucher drin.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 18. September 2020 (01:34)

Seit einigen Wochen läuft die Meisterschaft im Unterhaus, in der aufgrund der Corona-Pandemie auch für die Klubs als Organisatoren der Spiele neue Regeln galten. Bislang reichte es aus, als Veranstalter bei einer Maximalzahl bis zu 200 Personen am Platz vergleichsweise simple Sicherheitsvorkehrungen (wie das Aufstellen von Desinfektionsmittel, einem Einbahnsystem an der Kantine oder dergleichen) zu treffen und auf die geltenden Abstandsregelungen hinzuweisen. Die seit diesen Montag überarbeitete Covid-19-Lockerungsverordnung der Bundesregierung sieht hier nun Verschärfungen im Umgang mit der Coronavirus-Thematik vor. Für den Amateurfußball bedeutet das vor allem einen Einschnitt im Bereich der Matchorganisation.

Zwischen Fußball-Euphorie und Corona-Realität. Am vergangenen Wochenende wurde im burgenländischen Amateurbetrieb gekickt, wie hier im Süden beim Burgenlandliga-Derby Markt Allhau gegen Oberwart/Rotenturm sowie in der 2. Liga beim Spiel Neuberg gegen Eberau. Generell befindet sich der Amateurfußball im Spannungsfeld zwischen der Leidenschaft für das Spiel und der Vorsicht rund um die Covid-19-Verordnungen.
Bauer

Nur noch bis zu maximal 100 Personen dürfen bei einer Partie stehend/sitzend ohne zugewiesenen Platz zuschauen – die Abstandsregel bei Personen, die nicht in einem gemeinsamen Haushalt leben oder die nicht als Besuchergruppe vor Ort sind, gelten dabei freilich immer.

BFV-Präsident Gerhard Milletich appelliert daran, auch im Nachwuchs-Sinne zu denken.
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Sind mehr als die angesprochenen 100 Zuschauer dabei, darf niemand mehr stehen. Das gilt auch für die traditionell beliebte Stehplatz-Zeile auf den Tribünen vieler Sportplätze, wo bislang eine Art Mischform (200 Sitzplätze, 100 Stehplätze) praktiziert wurde. Darauf wies auch der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) im Zuge einer Info-Mail hin. Somit sind in diesem Fall tatsächlich nur noch ausschließlich zugewiesene Sitzplätze erlaubt. Ein grober Einschnitt für die organisatorischen Möglichkeiten all jener (zahlreicher) Vereine, deren Zuschauerkapazitäten irgendwo zwischen 100 und 200 Fans liegen und die bislang noch halbwegs gut über die Runden gekommen sind, denn: Im Rahmen der ursprünglichen Maximalzahl von bis zu 200 Personen gab es einen gewissen Spielraum. Der fällt jetzt weg, wenn es bereits ab 100 Leuten heißt: bitte setzen. Und gerade im Unterhaus sind attraktive(re) Heimspiele bis zur letzten Klasse ganz leicht dreistellig besucht. Keine leichte Situation, das weiß auch Burgenlands Fußballverbands-Präsident Gerhard Milletich: „Das ist eine weitere Verschärfung und auch deshalb ein Problem, weil ja viele Vereine wirtschaftlich von den Besuchern abhängen.“

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Außerdem sei die organisatorische und logistische Hürde sehr groß, könne man sich schließlich nicht überall auf Tribünenkapazitäten verlassen, die den Bedarf decken, vor allem auch, da ja aufgrund der nötigen Abstandsregelungen nicht jeder Sitz genutzt werden darf. „Wir verfügen auf den Plätzen im Burgenland kaum über Tribünen, die vielleicht mehr als 300 Sitzplätze haben.“ Trotzdem appelliert Milletich an die Vereinsvertreter: „Es gibt diese Vorschriften jetzt, um eingehalten zu werden. Auch wenn bei einigen Vereinen Unverständnis herrscht, ist das nötig. Die Behörden werden zu kontrollieren beginnen – dann liegt es auch im Verantwortungsbereich der Funktionäre, nichts zu riskieren und durch die Einhaltung der Richtlinien die Fortführung des Betriebs sicherzustellen.“

Nachwuchs fortführen als wichtiges Ziel

Schließlich gehe es, wie Milletich betont, generell nicht nur um die Erwachsenen, denn: „Ein wichtiges Ziel ist, dass die Sportplätze weiterhin vor allem für die Kinder geöffnet bleiben und nicht komplett gesperrt werden. Könnten sie nicht spielen, wäre das dramatisch.“

Nichts riskieren will man übrigens in der Fußballakademie Burgenland, wo der Betrieb allerdings auch nicht zwingend von Zuschauereinnahmen abhängig ist. Die Überlegung besteht, die Grenze von 100 Besuchern generell nicht mehr zu überschreiten und deshalb künftig bei Heimspielen nur noch die eigenen Eltern zuzulassen sowie bei Tests komplett auf Zuschauer zu verzichten.