Franz Ponweiser: „Mentalität werden wir eintrichtern“. Neo-SVM-Cheftrainer Franz Ponweiser will Spieler, die ans Limit gehen – und einen Kader mit Perspektive.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 20. Juni 2019 (03:57)
Fenz/Ivansich
Neues Duo: Franz Ponweiser (l.) wird Cheftrainer bei den Profis des SV Mattersburg, ihm zur Seite steht mit Markus Schmidt (r.) der bisherige Amateure-Coach. Fotos: BVZ (Ponweiser: Bernhard Fenz, Schmidt: Martin Ivansich)

Am Dienstag bat das neue Trainerteam des SV Mattersburg die Profis zum ersten Training für die neue Saison. Dessen Spitze bildet seit Sonntag mit Franz Ponweiser der bisherige Leiter der Fußballakademie. Er wurde zum Nachfolger von Klaus Schmidt bestellt, der seinen Vertrag mit dem SVM davor gelöst hatte (siehe dazu unseren Bericht hier) .

Gemeinsam mit dem bisherigen Amateure-Coach Markus Schmidt soll Ponweiser nun die sportliche Führung beim Bundesligisten übernehmen – mit dem 43-jährigen Neutaler als Cheftrainer. Er erfüllt nämlich auch die offiziellen Kriterien für das Coaching. Nötig ist dafür die UEFA Pro-Lizenz, zumindest muss man sich in Ausbildung befinden. Diese Anforderung passt. Läuft alles nach Plan, wird Ponweiser den aktuellen UEFA Pro-Lizenz-Kurs im Oktober abschließen.

Max Schmidt, Inhaber der A-Lizenz und im August 2018 nach der Trennung von Gerald Baumgartner schon Interims-Betreuer sowie danach aushilfsweise Co-Trainer, befindet sich hier zumindest in der Warteschleife. Angemeldet ist der Wahl-Loipersbacher für den nächsten Pro-Lizenz-Kurs, der im Februar 2020 beginnen soll. Ist er dabei, werden in weiterer Folge auch die Möglichkeiten für ihn mit einem Schlag wesentlich größer sein.

Doppelfunktion ja, aber nicht mit der AKA

Zukunftsmusik. Vorerst gilt für den neuen Betreuerstab, gemeinsam an einer schlagkräftigen Truppe zu arbeiten. Diesem Stab gehören neben Franz Ponweiser und Markus Schmidt auch wie bislang Thomas Höller (Co-Trainer), Bernd Eibler (Videoanalyst, Co-Trainer) und Gerald Linshalm (Athletiktrainer) an. Noch nicht endgültig durch war die Frage nach dem neuen Tormanntrainer. Die soll aber zeitnah geklärt sein. Ebenso steht auch noch aus, wer Schmidts Nachfolge bei den Amateuren antreten wird.

Und da wäre ja noch die Causa Sportlicher Leiter. Dieser Part, also die Nachfolge des zum ÖFB abgewanderten Robert Almer, ist ebenfalls ab sofort Sache von Ponweiser. Fix ist mittlerweile auch, dass der neue Cheftrainer/Sportliche Leiter dafür nicht mehr seine bisherige Funktion der Leitung in der Fußballakademie (AKA) Burgenland ausüben darf, denn eine solche Doppelfunktion ist Bundesliga-Trainern laut Statuten untersagt. So ufert das Aufgabengebiet des neuen starken Manns am Sportsektor nicht völlig aus.

Zu tun gibt es schließlich einiges. Noch steht der endgültige Kader nicht fest, hier ist noch die eine oder andere Überlegung nötig. Die mögliche Formel für die optimale Kadergröße geht aber hin zu einer Reduktion von bisher 25 Feldspielern und drei Goalies auf künftig 22+3. Diese angestrebte Größe würde laut Ponweiser schon Youngsters wie David Nemeth, Michael Steinwender oder Stephan Schimandl beinhalten. Christoph Halper ist sowieso längst ein Kader-Fixpunkt. Schließlich lautet das Schlagwort auch Perspektive.

„Die können wir nur so ermöglichen,“ zielt Ponweiser auf eine möglichst hohe Durchlässigkeit von unten nach oben ab und auf eine realistische Chance für junge Akteure, oben auch tatsächlich dranzukommen und nicht nur irgendwie mitzuschwimmen. Eine Schlüsselaussage, die auch Präsident Martin Pucher tätigte: „Es gibt mittlerweile einige Burschen, die es wert sind, dass sie in den Kader raufgezogen werden konnten und es werden auch immer mehr.“

Zurückgekehrt sind die zuletzt verliehenen Akteure Jefte Betancor und Raphael Behounek. Wie und vor allem wo ihre sportliche Zukunft stattfinden wird, steht noch nicht fest. Gut sieht es laut Ponweiser übrigens bei den noch nicht verlängerten Lukas Rath und Patrick Bürger aus, dass sie weiterhin Teil des Profi-Teams bleiben. Und dann gilt es freilich noch mögliche punktuelle externe Verstärkungen zu sondieren.

Ziel: Variable Spielidee und klare Prinzipien

Aber auch wenn die eine oder andere Personalienfrage noch offen bleibt: Fakt ist, dass Ponweiser so oder so mit klaren Vorstellungen an die neue Aufgabe herangeht.

Da wäre einmal die Tätigkeit auf der Ebene der Betreuer. „Ich möchte, dass die Arbeit ein großes Gemeinsames wird.“ Durch die Doppellösung mit Max Schmidt wird das Trainerteam erweitert. „Wir werden alles im Team besprechen. Da sind viele sehr interessante Augen am Werk, die das Geschehen beobachten können. Hier gehört also die gesamte Expertise des Betreuerstabs ausgenützt.“

Klar ist auch, was der ehemalige Ostliga-Kicker und -Trainer von den Spielern verlangt. „Alles bedarf guter Planung und guter Vorbereitung. Das ist die Mannschaft auch schon von Klaus Schmidt gewohnt. Absolute Grundvoraussetzung ist für mich, dass die Spieler in jedem Training und in jedem Spiel ans Limit gehen. Auflaufen werden die, die diese Tugend unter Beweis stellen.“

Ähnlich wie bereits in der Fußballakademie soll das sportliche Anforderungsprofil lauten: „Wir wollen eine Spielidee haben, die variabel ist, einen guten Matchplan, aber vor allem gewisse Prinzipien. Hier ist die Einstellung für mich entscheidend.“ Wie das in der Praxis aussehen kann? „Ich für meinen Teil bin ein sehr schlechter Verlierer und wehre mich dagegen. Diese Mentalität werden wir der Mannschaft eintrichtern.“

Bei der Spielidee wiederum ist Ponweiser ein Umstand wichtig: „Wir wollen die Ballkontaktzeiten verringern und schneller spielen – vor allem dann, wenn es keinen taktischen Grund gibt, das Spiel zu verlangsamen. So etwas wollen wir schon abstellen.“

Bereits am Freitag (18 Uhr) steht in Ternitz der erste Test gegen Kapfenberg an. Dieser geht aber noch ohne Ponweiser über die Bühne. Er ist beim letzten mehrtägigen UEFA Pro-Lizenz-Modul von Donnerstag bis Sonntag bei der U21-EM in Italien vor Ort.