Meisterlich auf der Trainerbank – und beim „Spiel des Lebens“

Erstellt am 01. Mai 2022 | 04:39
Lesezeit: 4 Min
440_0008_8338784_bvz17matz_barisits_3sp.jpg
Norbert Barisits daheim in Siegendorf im Frühjahr 2022. Der Fußballexperte ist voller Tatendrang und will ins Trainergeschäft zurück.
Foto: Foto Fenz/Ivansich
Norbert Barisits ist seit Jahrzehnten ein Aushängeschild als burgenländischer Fußballtrainer. Zuletzt musste der 64-jährige Siegendorfer aber zu einem viel wichtigeren Spiel antreten – dem erfolgreichen Kampf gegen seine Krebserkrankung. Nun ist der vielfache Meistertrainer wieder bereit: Er will seinen 20. Titel als Coach holen.

Ohne Zweifel ist Norbert Barisits einer der erfolgreichsten Trainer des Burgenlands. Seine Visitenkarte spricht eine klare Sprache: 19 Titel holte der Siegendorfer in seiner Laufbahn als Coach – allen voran der beeindruckende Lauf mit Klingenbach Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre.

Damals gelang dem ehrgeizigen Taktiker ein Kunststück, das, wie er sagt, „heute wohl niemand mehr schafft. Das ist auch in der jetzigen Zeit fast nicht mehr möglich.“

Was gelang damals? Der Durchmarsch von der 2. Liga Nord über die Landesliga und Regionalliga Ost direkt in die damalige 2. Division, der zweithöchsten Spielklasse Österreichs. Mit einem Klub wie dem ASK Klingenbach war das mehr als eine Sensation.

440_0008_8339263_bvz17fenz_barisits3sp.jpg
Norbert Barisits als Hartberg- Chefcoach im Herbst 2006.
Foto: Fenz/Ivansich

Daneben führte er später mit Untersiebenbrunn und Hartberg zwei weitere Fußballvereine in den bezahlten Fußball und war zudem als Sportlicher Leiter in der Stronach-Akademie tätig.

Zuletzt wurde es aber etwas ruhiger um den „Norbert“, der über fast jeden Spieler im Burgenland Bescheid weiß, daheim in seinem Büro akribisch Buch führt und Stärken und Schwächen von fast jedem talentierten rot-goldenen Kicker kennt.

„Es war das Spiel des Lebens. Wie im Fußball habe ich mir eine Taktik zurechtgelegt, habe mir Trainer in Form von Ärzten geholt und den Kampf angenommen.“ Norbert barisits Fußballtrainer

„Ich habe da über 2000 Spieler in meiner Datenbank. Wenn ich einen Spieler brauche, dann habe ich mich noch selten verhaut. Man muss immer wissen, welchen Spieler man als Trainer für welche Mannschaft braucht.“ Bis zum vergangenen Sommer coachte Barisits den SC Simmering in der 2. Wiener Landesliga. „Dann musste ich mich aus dem Fußball zurückziehen“, so der 64-Jährige.

Freiwillig geschah dies nicht. Der Burgenländer musste zu einem wichtigeren Match antreten: „Es war das Spiel des Lebens“, spricht er seine Lungenkrebs-Erkrankung an.

Aber auch in diesem ganz wichtigen Match gab sich der pensionierte Berufschullehrer fokussiert: „Ich habe es sofort ernst genommen. Wie im Fußball habe ich mir eine Taktik zurechtgelegt, habe mir Trainer in Form von Ärzten geholt und habe den Kampf angenommen. Es hat mich ein Jahr meiner Trainer-Karriere gekostet, aber das musste erledigt werden. Jetzt bin ich wieder hergestellt.“

„Vorher will ich definitiv nicht aufhören“

Und die Lust auf den Fußball, die eigentlich nie weg war, wird für Barisits nun von Tag zu Tag größer: „Ich bin jetzt noch mehr motiviert. Der Fußball war immer mein Leben.“ Parallel zum runden Leder ist der Coach aber auch in anderen Bereichen höchst motiviert und fokussiert.

Mittlerweile hat Barisits ein geisteswissenschaftliches Doktoratsstudium absolviert und ist derzeit dabei im Bereich Sportmanagement seinen zweiten Doktortitel zu erlangen. „Das mache ich neben meiner Tätigkeit als Fußballtrainer“ meint der vielfache Meistertrainer, der ab Sommer eben zurück auf der Kickerbühne sein will. „Wenn ich heute Trainer sehe, die nicht für den Fußball leben, die haben keinen Erfolg. Ich bin noch genau so ehrgeizig wie mit 22, als ich meine erste Trainerstation in Deutschkreutz hatte.“

Und eine spezielle Motivation für seine Zukunft als Coach hat Norbert Barisits ja auch noch: „Ich will den 20. Titel in meiner Karriere holen. Das ist ein ganz großes Ziel. Vorher will ich definitiv nicht aufhören.“