Farkas: „Es gibt nichts Besseres als Fußballer“. Der Oberdorfer Patrick Farkas fiebert der Champions-League-Gruppenphase bereits entgegen, auch wenn er am Platz aktuell nicht erste Wahl ist.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 17. Oktober 2020 (02:22)
Zuversichtlich in die neue Champions League-Saison. Patrick Farkas und Red Bull Salzburg setzten sich im Play-off-Duell gegen Maccabi Tel Aviv (hier ein Bild vom Hinspiel in Israel) letztlich klar durch und treffen nun in der Gruppenphase auf Bayern München, Atletico Madrid und Lok Moskau.
GEPA/Jasmin Walter

Eines ist sicher. Wenn Meister Salzburg am kommenden Mittwoch die Champions League-Saison mit dem Heimspiel gegen Lok Moskau eröffnet, wird ein Profi der Bullen an diesem Tag zumindest kurzfristig mit der eigenen Vergangenheit ganz speziell konfrontiert sein. Denn genau vor einem Jahr, am 21. Oktober 2019, erlitt Patrick Farkas zwei Tage vor dem Champions League-Heimspiel gegen Napoli am Vormittag vor dem Training einen Schlaganfall. Was danach folgte, war die körperliche und mentale Aufarbeitung einer durchaus heiklen Causa. Schließlich galt es abzuklären, inwiefern Spitzensport auf diesem Niveau weiter möglich sein kann und wie dieses potenzielle Tabu-Thema für einen Profi in Zeiten von Social Media und ständiger Info-Gier in der Öffentlichkeit behandelt werden soll. Letzteres wurde kurz vor Weihnachten im Rahmen eines ausführlichen Interviews professionell abgewickelt. Ersteres kristallisierte sich im Zuge der Reha bereits heraus, dass eine Rückkehr möglich ist, weshalb der Burgenländer auch alles dafür tat, im Frühjahr wieder in das Mannschaftstraining einsteigen konnte und längst wieder Teil des Teams ist.

Knapp ein Jahr nach dem verhängnisvollen Ereignis gilt der Fokus demnach auch längst wieder voll und ganz dem Fußball. „Ich fühle mich ganz wie der Alte“, berichtete Farkas aus der Mannschafts-Quarantäne, in die sich die Red Bull Salzburg-Profis aufgrund von positiven Covid-19-Fällen bis Dienstag begeben mussten. Bedeutete konkret: Die Arbeit im Trainingszentrum war möglich, ansonst mussten sich die Kicker aber daheim aufhalten, regelmäßige Testungen inklusive. „Es war klar, dass es irgendwann jemand erwischen würde, vor allem auch, wenn man bedenkt, gegen wen wir gespielt haben.“ Stichwort Maccabi Tel Aviv, Gegner im Play-off der UEFA Champions League, wo im Vorfeld mehrere positive Fälle aufgetreten waren.

Die Tests auf Seiten der weiteren Salzburger waren bislang aber alle negativ, weshalb nun wieder ganz normal (sofern man das in Zeiten von strikten Präventivmaßnahmen sagen kann) gearbeitet wird.

Promi-Gegner. Im Vorjahr matchte sich Salzburg in der Champions League-Gruppenphase gegen Titelverteidiger Liverpool. Ende August kam es zum Wiedersehen bei einem Test in Wals-Siezenheim. Patrick Farkas (am Ball) wurde eingewechselt und durfte sich beim 2:2 gegen die Reds behaupten.
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Schließlich steht einiges am Plan. Am Samstag (14.45 Uhr) geht es im Zuge der zweiten ÖFB-Cup-Runde auswärts in St. Pölten zur Sache, ehe dann am kommenden Mittwoch eben Lok Moskau als erster Gruppengegner der Königsklasse in Wals-Siezenheim antritt. Und es in weiterer Folge mit Atletico Madrid und vor allem mit Titelverteidiger Bayern auch von den Namen her so richtig pfeift. „Dass wir die Teilnahme wieder geschafft haben, ist auch für mich wieder die Erfüllung eines Traums.“ Im Vorjahr kam der 28-Jährige im ersten Spiel beim 6:2 gegen Gent zu einem Kurzeinsatz. „Bereits das war schon ein absolutes Highlight. Ich als Oberdorfer in der Champions League, das sind schon wirklich emotionale Momente.“

Dass sich die Karriere danach so dramatisch veränderte, ist jedenfalls längst abgehakt. „Natürlich denke ich hin und wieder daran, aber ich bin glücklich darüber, wie sich alles entwickelt hat und sehr dankbar über die Unterstützung des Vereins und meiner Familie.“ Auch etwaige Selbstzweifel gehören der Vergangenheit an, weil sich Patrick Farkas, wie er sagt, wieder auf jenem Level befindet, der ihn auszeichnet.

„In Salzburg kann man alles testen. Mittlerweile habe ich deshalb die Gewissheit, dass ich mich in einem Top-Zustand befinde.“ Auch wenn sich der Südburgenländer in Geduld üben muss, da er nicht erste Wahl ist. Albert Vallci und Rasmus Kristensen sind auf der rechten Seite schließlich eine harte Konkurrenz. „Ich bin überzeugt davon, dass ich meine Chance erhalten werde und warte auch darauf. Dann muss ich performen. So oder so sehe mich als wichtigen Teil der Mannschaft und genieße das Vertrauen des Vereins.“

Der auch in Ausfallszeiten (Kreuzbandriss im Mai 2018 sowie der besagte Schlaganfall Ende Oktober 2019) eine Hilfe war. Dass Farkas nicht Woche für Woche aufläuft, ist aber auch einem anderen Umstand geschuldet, wie er betont: „Ich weiß sehr wohl, bei welchem Verein ich spiele. In Salzburg ist der Konkurrenzkampf einfach sehr groß. Aber wer mich kennt, weiß: Aufgeben steht außer Frage.“ Wozu auch? Bis 2022 läuft der Anfang September 2019 um drei Jahre verlängerte Vertrag des Kämpfers – und die sportlichen Aufgaben in der Bundesliga (wo Salzburg als Leader noch eine weiße Weste hat), im Cup und eben in der Champions League bieten eine große Betätigungs-Plattform.

Wichtiger Auftakt, dann wird es genussvoll

Befragt nach den Chancen und den Erwartungen in der Königsklasse, gilt es auch für den ehemaligen U21-Teamspieler den richtigen Mix zu finden. „Der Auftakt gegen Lok Moskau könnte gleich einen vorentscheidenden Charakter für das Mindestziel (Anm.: Platz drei) haben, die Spiele gegen Atletico und Bayern muss man dann auch einfach genießen. Es gibt schließlich nichts Besseres als Fußballer, als sich mit den Besten messen zu dürfen.“

Apropos genießen. Das können der Oberdorfer Patrick Farkas und seine aus Kemeten stammende Freundin Christine Halwachs mittlerweile auch privat so richtig, wenn es auf Heimatbesuch ins Burgenland geht. In Oberwart haben sich die beiden ein Haus gekauft, die rot-goldene Verbindung ist beim Salzburg-Profi überhaupt in jeder Faser greifbar. „Das Burgenland taugt uns einfach so sehr. Ich liebe das Flair hier, im Garten zu sein, mit den Nachbarn zu plaudern, die Ruhe zu genießen. Den Traum von den eigenen vier Wänden habe ich mir ermöglicht.“ Früher oder später will der Kicker seinen Lebensmittelpunkt tatsächlich wieder in die Region verlagern, wo er auch aufgewachsen ist. Bis dahin aber gilt es beruflich am Platz noch „so viel wie möglich zu erreichen. Dafür gebe ich alles.“