SVM: Mit der Leichtigkeit eines Bundesligisten. Mattersburg fährt beim Saisonfinale ohne jegliche Abstiegssorgen zur Austria – der kollektive Druckabfall ist greifbar.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 03. Juli 2020 (05:35)

Eine prompte Führung, ein sehr guter Spielverlauf, eine baldige numerische Überzahl und eine rasche Vorentscheidung – der Dienstagabend war beim 4:1-Erfolg gegen die WSG Tirol ganz nach dem Geschmack der Mattersburg-Profis, das gebrochene Schlüsselbein von Andi Kuen nach dem Rot-Foul von Ione Cabrera freilich ausgenommen.

Sportlich bedeutete dieser Erfolg jedenfalls das Verwerten des zweiten Matchballs im Abstiegskampf, nachdem die erste Chance am Samstag beim 1:2 gegen die Admira liegengelassen wurde. „Wir haben mental unglaublich abgeliefert und dem Druck standgehalten“, befand auch Verteidiger Thorsten Mahrer, der gegen Tirol mit nicht weniger als drei (!) Assists aufzeigte.

Dabei ließ die verpatzte zweite Hälfte gegen die Admira, als die Burgenländer ein 1:0 noch aus der Hand gaben, für den Dienstag nicht nur Gutes erahnen. Wo doch der Kopf im Abstiegskampf so wichtig ist.

Im schlechtesten Fall hätte der SVM als Letzter in den Finaltag gehen müssen, der Szenarien-Wahnsinn ist nun vom Tisch, der Druck fällt merklich ab. Trainer Franz Ponweiser: „Die Tage zwischen den beiden Spielen waren hart. Ich bin unglaublich stolz auf den Charakter der Mannschaft, wie wir in den letzten Wochen zusammengearbeitet haben. Nach einem Spiel wie gegen die Admira muss man erst einmal aufstehen und dann so reingehen in dieses wichtige Duell gegen Tirol.“

Fürs Erste bedeutet dieser Sieg nun bei Ponweiser und Co. endlich Oberhaus-Planungssicherheit für die kommende Saison (zahlreiche offene Vertragssituationen müssen noch final geklärt werden) – und eine gute Perspektive. „Das gesamte Jahr war wie eine Achterbahnfahrt und ein extremer Lernprozess. Es ist so wichtig, dass wir in der Liga bleiben.“

Schließlich sei der Weg, junge Spieler aus der Fußballakademie zu integrieren, mit der Aussicht Bundesliga, ein sonniger. Das weiß auch Präsient Martin Pucher: „Das war eine tolle Leistung. Gratulation an die gesamte Mannschaft und das Trainerteam um Franz Ponweiser. Mir gefällt auch, dass mehrere junge Spieler (Anm.: mit David Nemeth, Christoph Halper und Michi Steinwender an der Spitze), die zum Großteil aus der Akademie kommen, gute Leistungen gezeigt haben. Sie haben bewiesen, dass dieser Weg von uns richtig sein kann.“

Pucher mit Lob für Junge und auch Routinierte

Mattersburgs Klubchef hatte, wie er nach dem Spiel gegenüber der BVZ klarstellte, aber nicht nur für die sogenannten jungen Wilden den Daumen nach oben. „Imponiert haben mir auch unsere gestandenen Spieler, wie sie mit vollem Einsatz alles gegeben haben und vorangegangen sind.“

Und nun? Steht rein sportlich einmal der letzte Spieltag der Qualifikationsgruppe am Programm. Den dürfen die SVM-Profis am Samstag (17 Uhr) bei der Austria insofern genießen, als sie kein aktiver Teil des Abstiegskampfes mehr sind. Fix fehlen wird Andreas Kuen, dafür steht Andi Gruber wieder zur Verfügung.

Der Mattersburger Top-Torschütze war nach der Ligateilung kurioserweise auch ein fleißiger Kartensammler und musste in der entscheidenden Phase der Meisterschaft erst nach der fünften und zuletzt nach der neunten Verwarnung gesperrterweise zuschauen. Wie die sportliche Zukunft des Steirers, dessen Vertrag ausläuft, aussehen wird, soll möglichst zeitnah geklärt werden. Hier geht es auch darum, ob Gruber grundsätzlich woanders eine neue Herausforderung annimmt, oder sich mit dem SVM auf einen neuen Kontrakt einigt.

Chefcoach Franz Ponweiser wird in seiner Doppelfunktion als Trainer und Sportlicher Leiter übrigens auch noch ein offener Punkt auf der SVM-To-Do-Liste sein. Spätestens seit Co-Trainer Max Schmidt in den UEFA-Pro-Lizenzkurs aufgenommen wurde und so in die erste Reihe vorrücken könnte, wäre die Variante zumindest möglich, dass Ponweiser im bestehenden Betreuerkonstrukt eine der beiden Aufgaben abgibt. Dieser sagte dazu: „Wir werden uns zusammensetzen und uns alles ansehen, wie wir die Kräfte am besten bündeln können und dann einen Weg gehen, der für den Verein passt.“