Hitzefeste Wanderer bei Burgenland Extrem Tour. Bei der Sommer-Premiere der härtesten Tour des Landes gingen 3.500 Extremwanderer um den See — 1.400 davon über die gesamte Runde.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 28. Juli 2021 (01:05)

Es ist vollbracht! Nach drei Anläufen konnte am Wochenende endlich die „härteste Tour Österreichs“ über die Bühne — besser gesagt: um den See — gehen. Die zehnte Ausgabe des Großevents war gleichzeitig eine Premiere: Nach den Verschiebungen blieb nur noch ein Termin im Sommer. „Normalerweise kämpft man mit Schnee und Kälte, heuer mit Sonne und Hitze“, resümierte etwa Sportlandesrat Heinrich Dorner, der selbst die 30 Kilometer lange Strecke von Neusiedl nach Oggau absolvierte. „Im Winter ist es einfacher“, so nicht nur sein Resümee. Wobei einfach in diesem Zusammenhang freilich relativ ist.

Marschiert wurde auf vier verschiedenen Trails zwischen 30 und 120 Kilometern. Die kürzeste Strecke war für die „Golden Walker“ gedacht und führte von Neusiedl nach Oggau. Die Halbdistanz startete heuer erstmals von Illmitz aus und führte bis zum Flak-Platz nach Oggau. Über 90 Kilometer führte der „Hegykö Memorial Trail“, die Härtesten im Feld — 1.400 an der Zahl — versuchten sich an der ganzen Seeumrundung über 120 Kilometer.

„Die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit zu spüren und sich und andere in Extremsituationen zu erfahren.“ Die Organisatoren erklären das Motto der Tour, das heuer mehr denn je zutrifft.

Besonders erfreut ist man heuer über die demographische Aufteilung des Starterfeldes: Die durchschnittlichen Wanderer waren 46 Jahre alt, 45 Prozent der Teilnehmer waren Frauen. „Ein extrem cooler Wert“, findet auch das Organisatoren-Trio Michael Oberhauser, Tobias Monte und Josef Burkhard. „Das ist bei einer solchen Veranstaltung nicht selbstverständlich und eher eine Ausnahme“, ergänzt Oberhauser.

„Nicht alle haben es ins Ziel geschafft — aber alle haben ihre Ziele erreicht und von magischen Momenten gesprochen“, rekapitulieren die Veranstalter nicht ohne Stolz. Die Quote jener, die heuer tatsächlich das Ziel erreicht haben, liegt bei 39 Prozent. Es gab schon höhere Erfolgsraten, aber auch wesentlich schlechtere — etwa in verschneiten, eisigen Jahren.

Besonders erfreut waren Monte, Oberhauser und Burkhard über die „extreme Erfolgsbühne“ für die Golden Walker. Zielgruppe des Bewerbs sind ältere Menschen, die „langsam und in kleinen Schritten“ etwas für ihr körperliches Wohlbefinden unternehmen wollen. „Auch ältere Menschen lieben Herausforderungen, an denen sie wachsen können“, so die Veranstalter: „Bewegung ist dabei ein Schlüssel, um im Alter belastbar und gesund zu bleiben. Viele Senioren stehen Jahr für Jahr am Start der 24 Stunden Burgenland Ex-trem Tour und bewältigen ohne große Schwierigkeiten die ganze Runde.

Hoher Stellenwert für den Umweltschutz

Naturschutz schreibt man bei der Tour auch groß. So setzte man etwa auch Mehrwegbecher, um keinen Müll auf den Wegen um den Neusiedler See zu hinterlassen. Außerdem bot man den Marschierern einen Shuttle-Dienst, der Finisher und Abbrecher ans Ziel brachte, um den Individualverkehr auf ein Minimum zu beschränken.

„Es freut uns extrem, dass unser Tun eine positive Wirkung auf die gesamte Region hat – im ökonomischen und auch ökologischen Sinne. Wir gehen seit Jahren nicht nur einen extremen, sondern auch einen ex-trem nachhaltigen Weg. In all unserem Tun ist der ,Grüne Gedanke‘ für die Bewohner der Region sichtbar und für alle Teilnehmer erlebbar. Das Thema liegt uns am Herzen und ist nicht nur ,Greenwashing.‘“

Sommer geht gut, aber Winter ist besser

Das Fazit zur Sommer-Premiere: „Wir haben bewiesen, dass wir auch im Sommer gehen können. Es hat Charme und sicher auch seine Vorzüge“, so Oberhauser. Aber: „Grundsätzlich wollen wir schon im Winter wandern. Wir haben die Österreich-Wanderung vor dem Sommer, die Südburgenland-Expedition im Herbst — da passt der Termin zu Jahresbeginn besser in den Plan.“

Für 2022 hat man jedenfalls den Standard-Termin Ende Jänner angepeilt. Allerdings fehlt der Glaube, dass der Termin auch halten wird — Stichwort: Covid-Deltavariante. Mehrfache Verschiebungen werde es nächstes Jahr definitiv nicht geben. „Entweder wir gehen im Winter oder gleich im Sommer.“