Als die Fußballwelt am See still stand

Schockstarre, Fassungslosigkeit, aber auch der Blick nach vorne prägten in den letzten Tagen die Gefühlswelt des SC Neusiedl/See.

Erstellt am 27. November 2021 | 01:31
Lesezeit: 2 Min
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Schockstarre. Die Fußballwelt in Neusiedl stand zuletzt still und betrachtet nun diverse Partien der Herbstsaison aus einem ganz anderen Blickwinkel. Bei mehreren Spielen soll es zu Manipulationen gekommen sein. Unter Verdacht steht auch das 0:4 gegen die Vienna, bei dem die Seestädter eine Klatsche kassierten.
Foto: BVZ

Während sich in der Fußball-Szene im Osten Österreichs am vergangenen Freitag und Samstag das Gerücht von Festnahmen diverser Regionalliga Ost-Spieler aufgrund möglicher Spielmanipulation schneller verbreitete als ein Schilfbrand am Neusiedler See und immer mehr brisante Details an die Oberfläche drangen, war man in Neusiedl einfach nur fassungslos. Zwei Spieler des Klubs sollen in U-Haft sitzen, daneben auch ein Kicker des FC Marchfeld und der Vater eines Neusiedl-Akteurs. Zumindest zehn Spiele der Regionalliga Ost stehen unter Manipulationsverdacht.

In der NSC-Hymne heißt es: „Weil am Platz vom NSC, da rennt die Kugel und der Schmäh.“ Nicht so in den letzten Tagen. Selbst Patrick Kienzl, der an sich so besonnene Kapitän der Seestädter, der fast sein ganzes Fußballer-Leben beim NSC verbrachte, rang um Worte: „Das macht einen sprachlos. Natürlich gilt für jeden die Unschuldsvermutung. Wenn man aber drüber nachdenkt, dass man alles für Erfolge gibt und schon vor Anpfiff möglicherweise gar nicht gewinnen kann, dann ist das ein Wahnsinn. Man fühlt sich richtig hintergangen und das ist ein Scheiß-Gefühl.“ Der 32-jährige Routinier, der im Herbst mit acht Treffern bester Neusiedl-Spieler war, merkte an: „Wir waren nach zehn Runden Vierter, liegen jetzt vier Punkte hinter Rang vier. Das ist an sich ja nicht schlecht. Gut möglich, dass wir aber deutlich besser dastehen könnten.“

Auch die Vereinsspitze um Obmann Peter Eigl und Manager Lukas Stranz stand zunächst unter Schockstarre, hielt sich mit dem Kommentieren der Gerüchte zurück. Und weil jene Spieler, um die es sich handeln soll, eben nicht erreichbar waren, ging der NSC aktiv auf das Bundeskriminalamt (BKA) zu, suchte das Gespräch und sicherte im Zusammenhang mit der Aufklärung den zuständigen Behörden die volle Unterstützung zu.

Man fühlt sich richtig hintergangen und das ist ein Scheiß-Gefühl. patrick kienzl Kapitän des SC Neusiedl am See

Von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Graz heißt es weder der SC Neusiedl noch ein Funktionär des NSC wird als Beschuldigter geführt. Obmann Peter Eigl betonte: „Wir sind in dieser Sache Opfer und nicht Täter.“ Genau deshalb sei man auch vorgeprescht und habe um einen BKA-Termin gebeten, um rasch und professionell an der Aufklärung mitzuhelfen. Viel mehr will man sich beim NSC während des laufenden Verfahrens auch gar nicht äußern, nur so viel: „Wenn uns die 102-jährige Geschichte des Clubs eines gelehrt hat, dann dass unseren SC Neusiedl am See 1919 nichts umwirft. Gemeinsam werden wir auch dieses dunkle Kapitel der grün-weißen Vereinshistorie hinter uns lassen“, heißt es in der Presseaussendung der Bezirkshauptstädter.

Wer die Verantwortlichen beim Seestadt-Klub kennt, der weiß, dass alles daran gesetzt wird, dass bei der aktuellen sportlichen Nummer eins im Burgenland so schnell wie möglich wieder auch vor allem sportliche Schlagzeilen dominieren. Und dann rennt auch wieder der Schmäh.