Braunöder & Austria gegen Fenerbahce: „Die Vorfreude überwiegt klar“

Erstellt am 18. August 2022 | 05:45
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Matthias Braunöder
Weiterhin Austrianer. Matthias Braunöder hat seinen Vertrag bei den Veilchen erst kürzlich bis zum Jahr 2025 verlängert. Foto: zVg/FK Austria
Foto: zVg/FK Austria
Matthias Braunöder ist am heutigen Donnerstag ab 21 Uhr mit der Wiener Austria im Play-off-Hinspiel für die Europa League daheim gegen Fenerbahçe Istanbul gefordert. Der türkische Großklub mag Favorit sein, in Ehrfurcht werde man deshalb aber nicht erstarren. Das passt zur Aufbruchstimmung in jenem Klub, bei dem der 20-jährige Krensdorfer bereits zum Stammspieler gereift ist und erst vor kurzem seinen Vertrag bis 2025 verlängert hat.

So schnelllebig ist der Fußball. Beispiel LASK. Der verpasste im Frühjahr die Meistergruppe und im Mai auch noch die Quali für einen internationalen Startplatz. Das ist in Linz aber längst nicht mehr das Wichtigste. Platz eins in der Bundesliga und ein toller Start in die Saison, das zählt.

Ein Blick zur Austria offenbart wiederum die andere Seite. Wer die Tabelle sieht und mit Violett sympathisiert, muss sich derzeit schrecken. Der Drittplatzierte der abgelaufenen Saison 21/22 hat nach drei Spielen ohne Sieg erst am Samstag den ersten Dreier der Saison eingefahren. Es war ein hart erkämpftes 2:1 gegen WSG Tirol, auch weil Lucas Galvao in Hälfte eins ausgeschlossen wurde und die Veilchen die numerische Unterzahl mit viel Aufwand kompensieren mussten.

Egal. Am Verteilerkreis rutschte man nach vier Spieltagen endlich in die schwarzen Zahlen – von minus zwei auf plus eins. Weil die in zweiter Instanz erlangte Bundesliga-Lizenz aufgrund der wirtschaftlichen Lage nur mit drei Minuspunkten und einer Geldstrafe ausgesprochen wurde, muss(te) Violett quasi hinter der offiziellen Startlinie beginnen. In Kombination mit den ersten Ergebnissen (0:3 in Salzburg, 1:1 gegen den LASK, 2:3 in Altach, 2:1 gegen Tirol) bleibt eben dadurch nur der letzte Platz und ein mageres Pünktchen auf der Habenseite.

Und doch ist nicht alles so schlecht, wie es auf den ersten Blick scheint. Zahlreiche Neuzugänge, wirtschaftlich wesentlich bessere Prognosen und ein sportlicher Plan bieten den Fans und der Mannschaft neue Perspektiven. Man kann schon von einer violetten Aufbruchstimmung sprechen. In dieser befindet sich auch Matthias Braunöder, zentraler Mittelfeldspieler und einer jener Profis, die sich in jungen Jahren zum Stammspieler entwickelt haben.

Erst vor kurzem hat der 20-jährige Burgenländer seinen Vertrag um drei Jahre bis 2025 verlängert, sagte damals: „Ich will beim neuen Weg der Austria dabei sein, weil das in eine richtige Richtung geht. Ich glaube, dass mein Weg bei der Austria noch nicht zu Ende ist.“

Vor allem hat sich aufgrund der erfolgreichen Vorsaison das Tor nach Europa geöffnet. Die Violetten steigen in die letzte Quali-Runde für die Europa League-Gruppenphase ein und treffen dabei heute, Donnerstag (21 Uhr), im Hinspiel auf Fenerbahçe Istanbul. Spiel zwei steigt dann am 25. August in der Türkei. Angenehmer Begleitumstand: Im Fall eines K.o. wird es statt der Europa League- eben die Conference League-Gruppenphase. In jedem Fall ist die Austria also zumindest im Herbst international vertreten.

„Bei der Herangehensweise an das Match gegen Fenerbahçe ist das egal, weil wir natürlich aufsteigen wollen. Für die Gesamtsituation ist die bereits fixe Gruppenphase in einem europäischen Bewerb aber natürlich richtig gut“, sagt der Krensdorfer, der gegen den türkischen Top-Verein (in dessen Reihen auch Ex-Salzburg-Stürmer Mergim Berisha steht) sein erstes Pflichtspiel in einem europäischen Klubbewerb absolviert. Respekt ist da, aber Braunöder stellt sehr wohl fest: „Die Vorfreude überwiegt klar. Auch wenn wir wissen, dass das ein richtig guter Gegner ist, der als Favorit in die Spiele geht.“

Chancenlos sei man auf Seiten der Austria freilich nicht: „Wir werden uns natürlich am Limit bewegen müssen, aber möglich ist das sicher. Ich freue mich schon sehr auf beide Spiele.“ Zudem ist das Team nach dem 2:1 gegen Tirol rechtzeitig vor Fenerbahçe in der Bundesliga wieder auf Schiene. Auch wenn es noch der letzte Platz ist, den die Wiener belegen. „Es war extrem wichtig, dass wir jetzt in den positiven Punktebereich gekommen sind. Die Mannschaft kann nichts dafür, dass wir mit drei Minuspunkten gestartet sind. Rein sportlich waren die Spiele aber durchaus in Ordnung. In Salzburg kann man verlieren, das Remis gegen den LASK hat im Großen und Ganzen gepasst und beim 2:3 in Altach haben wir leider aufgrund von 20 ganz schwachen Minuten das Match komplett verspielt. So gesehen war auch nicht alles so schlecht, wie es in der Tabelle aussehen mag.“

Überhaupt ist die Tabelle für Matthias Braunöder derzeit nicht das Maß aller Dinge. Viel wesentlicher sei, die Entwicklung der vergangenen Saison unter Chefcoach Manfred Schmid weiter fortzusetzen und sich ja nicht beirren zu lassen. In diesem Zusammenhang geht es nach dem Europacup-Bonus gegen Fenerbahçe bereits am Sonntag mit dem nächsten ganz wichtigen Duell auswärts beim Vorletzten WAC weiter. Wo es weitere Punkte braucht, um in der Bundesliga rasch zurück in die Spur zu kommen. Das schnelllebige Fußballgeschäft lässt grüßen.