BFV-Hauptversammlung: Eine Entscheidung, viele Diskussionen

Erstellt am 23. September 2022 | 03:44
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Die außerordentliche BFV-Hauptversammlung hat den Ausschluss von Ernst Wild als Vizepräsident bestätigt. Nun gilt es aber auch die Wogen im Verband zu glätten.

80 von 152 BFV-Vereinen, oder 52,6 Prozent aller Stimmberechtigten, waren am Dienstag in Markt Sankt Martin bei der außerordentlichen Hauptversammlung des Burgenländischen Fußballverbands (BFV) am Start. Sie sorgten für einen durchaus repräsentativen Rahmen in der Causa Ernst Wild, die der Anlass zu diesem besonderen Treffen war.

Der Obmann des ASV Draßburg legte bekanntlich Berufung gegen seinen Ausschluss aus dem BFV-Vorstand ein, den das Verbands-Führungsgremium im Juli per Umlaufbeschluss aussprach – nachdem Wild vom ÖFB wegen Verletzung der Meldepflicht in Bezug auf Spielmanipulation für zwei Monate (einer davon bedingt) gesperrt wurde. Er verabsäumte es im vergangenen Oktober, aufgeschnappte Gerüchte in diese Richtung an die Verbände zu leiten und beließ es dabei, seinem Anwalt ein Protokoll zu übermitteln.

Dieser Fehler wurde vom ÖFB geahndet. Seitens des Vorstands ging es, wie verlautbart, bei Wilds Ausschluss um unehrenhaftes Verhalten sowie die geschädigte Reputation des BFV. Verbandsrechtlich war die anwaltlich eingebrachte Berufung nur mehr über die Ebene einer außerordentlichen Hauptversammlung zu klären. Das passierte nun in Form einer Abstimmung. 43 Stimmen der 80 Berechtigten gaben dabei ihr Handzeichen für die Bestätigung von Wilds Ausschluss aus dem Verbands-Vorstand.

Die Begleitumstände waren allerdings – zumindest phasenweise – sehr emotional. So wies vor allem Rechtsanwalt Wolfgang Rebernig, vom SV Draßmarkt ermächtigter stimmberechtigter Vertreter, auf juristische Probleme des Wild-Ausschlusses hin. Ein Punkt davon: Das Recht auf Parteiengehör etwa sei Wild im Zuge des Ausschlusses verwehrt worden – ein Versäumnis und laut Rebernig ein Grund für Rechtswidrigkeit. Zudem forderte der Rechtsanwalt auch, dass im Zuge der Abstimmung und der einhergehenden Diskussion der Klubvertreter die BFV-Vorstandsmitglieder den Saal verlassen sollten. Weil diese den Ausschluss aussprachen, gegen den nun berufen wurde.

Ähnlich einer Berufung beim Straf- und Meldeausschuss (STRUMA), die dann vor dem Protestsenat behandelt wird und wo auch keine STRUMA-Mitglieder vor Ort sind, sei die Anwesenheit des BFV-Vorstands demnach nicht angebracht. Auf dieser Ebene entfaltete sich schließlich ein juristisches Duell zwischen Rebernig und Robert Bencsics, der die Abstimmung leitete.

Der BFV-Jurist wiederum zog seine Linie – Wortmeldungen und die Diskussion zuzulassen, aber strikt nach Protokoll zur Abstimmung zu gelangen – klar durch und verwies auf das einzuhaltende Prozedere bei dieser außerordentlichen Hauptversammlung. Die Geschäftsordnung sehe nicht vor, dass der Saal von den Vorstandsmitgliedern zu verlassen sei. Zudem sei Wilds Ausschlussprozedere korrekt verlaufen. Bencsics stellte auch in Anlehnung an etwaige Befangenheit klar, dass sich selbstverständlich keines der Vorstands-Mitglieder an der Abstimmung über Wilds Berufung beteiligen.

Auch ein im Zuge der Diskussion eingebrachter Wunsch nach einer geheimen Abstimmung wurde nicht behandelt, weil das laut Bencsics „die Satzungen in dieser Angelegenheit nicht vorsehen. Formaljuristisch müssen wir penibel sein und uns klar an die Statuten halten. Schließlich gibt es auch die Möglichkeit Beschlüsse gerichtlich zu bekämpfen.“ Jegliche Abweichung von der zu behandelnden Thematik, und nur um die gehe es eben, sei deshalb zu vermeiden.

Einer, der mit dieser Herangehensweise gar nichts anfangen konnte, war Siegendorfs Präsident Peter Krenmayr, der sich lautstark wunderte, dass über keine spontanen Vorschläge und Anträge vor Ort abgestimmt wurde. „Das ist ein Armutszeugnis für den BFV, wenn so die Demokratie ausschaut,“ polterte der Klubchef des Ostligisten in Richtung Bencsics.

Dieser stellte schließlich klar, dass jedenfalls offen abgestimmt werde, was dann auch passierte. Das Ergebnis: 43 Stimmen unterstützten den Ausschluss von Wild. Kurioses Detail: Krenmayr und auch Rebernig forderten im Zuge der offenen Abstimmung eine Gegenprobe, wer denn für die Aufhebung des Beschlusses sei. Trotz Stimmpflicht waren nur 31 Hände in der Höhe – Abstimmung und Gegenprobe ergaben in Summe also lediglich 74 beteiligte Vereine. Am Ergebnis änderte dieser Umstand aber nichts mehr, weil die Mehrheit in beiden Fällen klar erhoben wurde. Verbandsrechtlich ist der Instanzenweg somit ausgeschöpft. Ob die Entscheidung noch über ein Zivilgericht angefochten wird, bleibt offen.

Wild: „Ich werde ein Rechtsmittel ergreifen“

Ernst Wild, der nicht vor Ort war, sagte auf BVZ-Nachfrage jedenfalls: „Ich werde selbstverständlich ein Rechtsmittel ergreifen, denn ich habe hier sicherlich nichts falsch gemacht. Die Abläufe von Dienstag wurden mir von mehreren Seiten als undemokratisch und schlecht organisiert beschrieben. Ich habe inhaltlich mit meiner Berufung alles gesagt. Für gestern war nicht einmal meine Befragung auf der Tagesordnung. Das kann man so nicht einfach stehen lassen.“

Für die Beteiligten sowie für den einen oder anderen prominenten Besucher der Hauptversammlung zählt beim BFV nun vor allem der Blick nach vorne. Seitens des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) war Präsident Gerhard Milletich in Sankt Martin dabei. Der ehemalige BFV-Boss merkte positiv an, dass sich „die Emotionen bei allen Beteiligten im Rahmen gehalten haben. Letztlich gibt es nun eine Entscheidung, die den BFV-Vorstand in seinem Vorgehen bestätigt hat.“

Für ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer wiederum zählt jetzt, „dass die offenen Gräben wieder möglichst zugeschüttet werden. Es geht um die gemeinsame Sache, vor allem um alle Vereine, und die Entwicklung des Fußballs im Burgenland. Das ist der Wunsch des ÖFB. Niemand hat etwas davon, wenn die Energie für Interna vergeudet wird.“ Und BFV-Präsident Günter Benkö ergänzte: „Für den Vorstand ist es ganz wichtig, dass wir wieder ein Miteinander mit allen Vereinen haben. Von unserer Seite ist das besagte Thema abgehakt. Dafür strecken wir unsere Hände allen entgegen, um gemeinsam etwas für Burgenlands Fußball zu erreichen.“

Wer übrigens statt Wild künftig die Position des von der Gruppe Mitte nominierten Vizepräsidenten einnehmen wird, soll sich zeitnah herauskristallisieren. Klar ist, dass die besagte Mitte natürlich das Vorschlagsrecht für ihren Vizepräsidenten hat. Dafür wird jetzt einmal, wie Gruppenobmann Gerhard Kornfeind klarstellte, der Gruppenausschuss einberufen. Ziel ist es in weiterer Folge, bald auch eine geeignete Person zu nominieren.