Wandern zur Höhle des Räuberhauptmannes

Die Johannesgrotte und die Kürschnergrube am Leithaberg waren seit Jahrhunderten Verstecke der Eisenstädter, als in der Ebene Kriege tobten.

Markus Kaiser
Markus Kaiser Erstellt am 18. Juli 2021 | 08:00

LEITHABERG Der Leithaberg ist stummer Zeuge der aufregenden Geschichte des Burgenlandes. Der Leithakalk, der aus dem Gneis- und Glimmerschiefer-Gestein abgebaut wurde, bildet das schöne wie zuverlässige Baumaterial der Eisenstädter Gloriette sowie mancher Wiener Ringstraßenbauten. Dieser Kalk wiederum kommt aus der Zeit, als das Burgenland noch unter dem Meer lag. Genauer gesagt: unter dem Paratethys-Meer, ein 30 Millionen Jahre alter Vorgänger des Mittelmeeres. 20 Millionen Jahre später entstand aus diesem das Pannonische Meer, das die Pannonische Tiefebene und damit das Burgenland bedeckte.

Zwischen Räuberhöhle und Bergwerk

Das Wasser wich, der Stein blieb. Und im Jahr 1569 wurde dort erstmals die Kürschner-Grube und der Steinabbau darin erwähnt. Um den Namen ranken sich Legenden. Er soll sich von den Kürschnern ableiten, die den feinen Sand erhitzten und zum Entfetten der behaarten Seite der Pelze verwendeten. Die zweifelsohne spannendere Version ist die Legende des Räuberhauptmannes „Kürschner-Sepp“, der dort seine Räuberhöhle hatte und das Militär zu narren wusste. Bis heute können im 120 Meter langen, 40 Meter breiten und sechs Meter tiefen Steinbruch die Abbau-Spuren vergangener Jahrhunderte nachvollzogen – und auch ein bisschen bewundert – werden.

"Auch im Leithagebirge kann man sich verlaufen. Wander-Apps und Karten sind ratsam!", Brigitte Krizsanits, Co-Autorin des Buchs „Das Leithagebirge“

„Man sieht die Schremmen, also die Bearbeitung des Steinbruches. Dieser dürfte Ende des 18. Jahrhunderts aufgelassen worden sein und nicht in den 1920er Jahren, wie auch zu lesen ist“, erklärt die Eisenstädter Historikerin Brigitte Krizsanits, die mit Fotograf Manfred Horvath ein Buch über das Leithagebirge geschrieben hat.

Eine spannende bis unheimliche Frage musste sie offen lassen: Wieso macht man einen Steinbruch mitten im Nirgendwo? „Die Steinbeschaffenheit könnte ein Grund gewesen sein“, so die begeisterte Wanderin.

Als die Eisenstädter vor Kriegen flüchteten

Während die Kürschnergrube künstlich angelegt wurde, ist die Johannesgrotte eine Naturhöhle. Viel ist über diese nicht bekannt. Zum geheimnisvollen Charakter trägt das schon leicht verwitterte, aber immer noch gut sichtbare Bild einer Schwertlilie bei. Dieses wurde in den Stein über dem Eingang gemeißelt. „Bis heute ist sowohl Herkunft als auch Bedeutung dieses Symbols unbekannt“, musste selbst Krizsanits im Zuge ihrer Studien feststellen.

Für die Stadt-Geschichte hat die Höhle dennoch eine Bedeutung: „Am Ende des Zweiten Weltkriegs haben sich dort so viele Eisenstädter vor dem Frontverlauf versteckt, dass die Höhle komplett voll war. Man baute sogar mit Decken eine Art Zelt in den Außenbereich, um die Höhle zu verbreitern. Abends schlichen die Mutigsten in die Stadt, um Nahrung aus den Kellern zu holen“, beschreibt Krizsanits eine Zeit, die sich hoffentlich nicht mehr wiederholen wird.

Etwa zweieinhalb Jahrhunderte zuvor, während des Osmanischen Feldzuges in Richtung Wien, versteckten sich die Eisenstädter nicht in der Johannesgrotte: Entgegen der Legende sahen die Eisenstädter den Beschuss der Stadtmauer und die Beschädigung des Franziskanerklosters durch die Osmanen und „arrangierten sich schnell“, wie Krizsanits zusammenfasst.

Eine Bitte formuliert die ehrenamtliche Wegebetreuerin des Touristenklub (ÖTK) noch: „In den Höhlen leben Fledermäuse – bitte machen Sie daher innen kein Lagerfeuer!“