Alte Weinbräuche haben immer Tradition. Johann Werfring dokumentiert auf 300 Seiten in seinem Buch „Weinbräuche in Österreich“ 50 alte Brauchtümer rund um den Wein.

Erstellt am 05. Mai 2021 (10:57)
Brauchtum. Das Goassl-Kleschn in Podersdorf.
Johann Werfring, Johann Werfring

Speziell in Zeiten wie diesen, wo die Zwei nicht mehr gerade ist, gewinnt Bestehendes an Wert. Bestehendes sind auch alte Bräuche. In manchen Regionen wurden die unterschiedlichsten Bräuche schon fast vergessen, aber irgendwem ist immer und überall zu danken, dass dies nicht geschieht. Auch rund um den Wein gibt es jede Menge Bräuche. Johann Werfring ist dem nachgegangen und hat ein interessantes Buch darüber verfasst. Auf rund 300 Seiten werden 50 alte Bräuche vorgestellt und mit Bildern aus der Vergangenheit, aber auch durch zeitgenössische, belegt.

Auch im Burgenland werden einige Bräuche gepflegt.

Podersdorfer Goassl-Kleschn : Dieses Brauchtum führt auf die Zeit des Weingartenhüterwesens vor dem Zweiten Weltkrieg zurück. Damals wurde der Weingarten behütet und die – schon damals gefräßigen – Stare durch das Peitschenknallen aus den Weingärten vertrieben. Damals wie heute trugen die Hirten und Hüter die Astrachankappen, welche beim Brauchgeschehen mit einem weinbaulichen Signum verbunden sind.

Im Jahr 2001 knüpfte man an diesen alten Brauch an und er ist heute feststehender Bestandteil des örtlichen Martinilobens am Wochenende rund um den 11. November. Eröffnet durch die Blasmusikkapelle zieht ein Zug durch den Ort und die Hiata schwingen unentwegt die Goassln und veranschaulichen wie einst durch Peitschenknallen in den Rieden rund um den Ort die gefräßigen Stare verschreckt wurden.

Der Festzug wird von Oldtimertraktoren mit Anhängern begleitet. Auf einem sitzen die „Ehrenhiata“ – bejahrte Männer die einst selbst in den Weingärten die Peitschen geschwungen haben. Vom nächsten werden traditionelle Hiataspeisen, wie Speck, Wurst, Blunzn und Grammeln ausgegeben. Natürlich darf auch das Weinfass nicht fehlen. Nach dem Zug durch das Dorf findet das Fest mit offenstehenden Kellertüren seine Fortsetzung.

Martiniloben

Das wohl bekannteste Brauchtum rund um Wein in und außerhalb des Burgenlandes ist das Martiniloben.

Üblich ist im Burgenland, dass vor dem Martinstag, dem 11. November, keinesfalls „Prost“ gesagt werden darf, denn der Wein ist ja eigentlich noch kein fertiger Wein. „Mahlzeit“ oder „krixikraxi“ kann stattdessen gesagt werden. Zu Martini hat dann der Rebensaft ein gewisses Qualitätsstadium erreicht, so dass er sich ab da Wein nennen darf. Vielerorts wird er dann von katholischen Geistlichen getauft, gesegnet und von der Ortsgemeinschaft gefeiert. Winzer öffnen ihre Kellertüren und die ganze Ortschaft ist auf den Beinen und kostet erstmals den ersten Wein des Jahrganges.

Hottergang am Markustag und Georgitag : Die Begehung der Gemeindegrenzen am Georgitag, dem 23. April, oder am Markustag, dem 25. April, hatte und hat immer noch vorrangig den Sinn, die während des Jahres verwachsenen Grenzsteine (=Hottersteine) freizulegen und von Gestrüpp zu befreien. Begleitet wird diese in vielen Gemeinden durchgeführte Begehung mit unterschiedlichsten Bräuchen. In Neckenmarkt oder Mörbisch zum Beispiel wurden Schulbuben mitgenommen und mit einigen Stockschlägen und den Worten „Merk dir das!“ bestraft. Merken sollten sich die Buben, wo sich die Grenzsteine befinden, um das Wissen für nächste Generationen zu bewahren. Für die Bestrafung wurden die Buben mit Jause und einem schulfreien Tag belohnt.

Einen anderen Brauch am Markustag pflegt man in Horitschon. Hier werden beim Hottergang Weine, die im Vorjahr eingegraben wurden, ausgegraben und bei einer gemütlichen Jause verkostet. Nicht jedes Jahr wird jedoch jeder Grenzstein aufgesucht und somit können manche Weine auch etwas länger vergraben sein, bevor sie gekostet werden.

Das Werk bietet erstmals eine Zusammenschau der österreichischen Weinbräuche aller österreichischen Regionen in Vergangenheit und Gegenwart.