Prädikatsweine sind verführerisch wie Fruchtdesserts. Die Wein Burgenland lud mit dem Fachmagazin „A La Carte“ zur Verkostung der besten Süßweine nach Donnerskirchen ein. International werden die burgenländischen Süßweine sehr hoch bewertet.

Erstellt am 15. Oktober 2020 (00:01)
Echte Juwelen. Süßweine harmonieren perfekt mit Fruchtcremes, Eis- und Sorbet-Variationen, Fruchttorten und leicht aromatischen Käsevarianten.
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Alljährlich lädt die Wein Burgenland gemeinsam mit dem Fachmagazin „A La Carte“ unter dem Motto „Liquid gold“ zur Verkostung der besten Süßweine des Burgenlands. Hintergrund dieser Degustation ist, den Status des Prädikatsweins aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Denn die aktuelle und widersprüchliche Positionierung des „flüssigen Goldes“ besteht darin, dass die Weine von allen als hochwertig empfunden, aber von den Wenigsten getrunken werden. „Ich kann an dieser Stelle nur eine meiner Verkostungsregeln dringend empfehlen: Keine Weinprobe ohne Prädikatswein (Süßwein) am Ende“, meint Weinakademiker Willi Balanjuk.

Hohe internationale Anerkennung

International werden die burgenländischen Süßweine sehr hoch bewertet und eingeschätzt. Viele der Weinbaubetriebe haben in Amerika, England und Skandinavien ein besseres Image als die österreichischen Weiß- und Rotweinwinzer. „In Österreich hingegen muss jedes Glas Süßwein mit ausdrücklicher Empfehlung des Sommeliers oder des Gastwirts verkauft werden. Dabei könnte man doch auch einfach ein Glas Prädikatswein als ‚Fruchtdessert‘ probieren“, so Balanjuk.

Die Vielfalt des Prädikatsweins ist unterteilt in die Kategorien Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Weine der besonderen Leseart (Eiswein, Strohwein), Ruster Ausbruch und Trockenbeerenauslese. Eine Spätlese sollte über ein ausgeprägtes Fruchtspiel, lebendigen Trinkfluss und balancierte Restsüße verfügen. Diese Weine harmonieren perfekt mit Fruchtcremes, Eis- und Sorbet-Variationen, Fruchttorten und leicht aromatischen Käsevarianten. Bei der Auslese sollten kandierte Aromen und Honig die Fruchtkonzentration etwas mehr abrunden. Die einladende Frucht steht aber dennoch im Vordergrund, die Restsüße sollte etwas präsenter sein.

Eine Beerenauslese ist die zarteste Form der natürlichen Konzentration von Zucker und Säure. Eine Mischung aus frischen Fruchtaromen trifft auf Dörrobst, Honig und Karamell. Die besten Beerenauslesen verfügen über eine lebendige Struktur. Die Weine sind jung eher fruchtgeprägt und bekommen mit ihrer Reife mehr Karamell- und Nougatnoten.

Eiswein entsteht durch die Lese gefrorener Trauben. Die Temperatur sollte −7 °C betragen. In den vergangenen Jahren nicht immer einfach, daher sehr rar und in manchen Märkten der gesuchteste Stil der Prädikatsweine.

Stroh- und Schilfweine werden unter kontrollierten Bedingungen produziert. Gesunde Trauben werden gelesen und natürlich „getrocknet“. Diese Weine sind von Beginn an harmonisch, balanciert und genießbar. Ruster Ausbruch ist eine Variante der Trockenbeerenauslese. Dafür werden Botrytistrauben höchsten Reifegrads geerntet und traditionell gekeltert. Der Ruster Ausbruch ist gemeinsam mit der Trockenbeerenauslese die höchste Konzentration der Trauben.

Hier verfügen die Weine über ein Alterungspotenzial von 50 und mehr Jahren. Dennoch können die Weine auch jung getrunken werden. „Meditations-Gläser“, „Energy Glas“ oder als Speisenbegleiter, die Weine eignen sich ideal zu sehr reifen und aromatisch intensiven Käsearten. Zweijähriger Bergkäse oder Époisses sind ideale Kombinationen zu dieser Stilistik.

Verkostung der Süßweine

Die Weine wurden in Donnerskirchen von einer Jury blind verkostet und bewertet. Bekannt war jeweils nur die Kategorie. „Zusammenfassend kann nur wiederholt werden, dass nur die burgenländischen Prädikatsweine echte Juwelen sind. 2019 ist ein großartiger Jahrgang für Spät- und Auslesen und offeriert die höchste Dichte an Topqualitäten. Die Jahrgänge 2019, 2017 und 2015 bieten sensationelle Weine und sind grandiose Beispiele für die jeweiligen Kategorien Beerenauslese, Ruster Ausbruch und Trockenbeerenauslese“, so Willi Balanjuk.

Auch 2018 und 2016 wurden von den besten Winzern großartig gemeistert, es waren allerdings weniger Menge und Weine verfügbar. Eis- und Strohweine sind einigen Spezialisten vorbehalten, da sie in sehr geringem Umfang gekeltert werden.