Süßwein im Burgenland. Der Süßwein hat im Burgenland schon eine sehr lange Tradition. Bereits 1526 wurde der Lutherwein, eine Trockenbeerenauslese vom Freiherrn von Leisser, erwähnt.

Erstellt am 29. April 2020 (12:35)
Im Burgenland hat die Stadt Rust eine sehr starke Verbindung zum Süßwein. Mit 28.000 Liter Ruster Ausbruch und 60.000 Gulden erkaufte die Stadt sich im Jahre 1681 das Stadtrecht und wurden von KaiserLeopold I. zur Freistadterhoben.
ÖWM/ Eva Kelety

Die Süße im Wein kommt vom natürlichen Zucker, den die Traube während der Reifung am Weinstock im Weingarten einlagert. Ein Teil davon wird während der Gärung in Alkohol umgewandelt, der Rest, der nicht vergoren wird, bleibt im Wein als Restzucker vorhanden. Das österreichische Weingesetz hat sogar eine eigene Kategorie für den Süßwein reserviert, es ist die Kategorie „Prädikatswein“, also Qualitätsweine besonderer Reife und Leseart. Im Wesentlichen wird zwischen der Kategorie fruchtsüß und edelsüß unterschieden. In der Kategorie fruchtsüß sind Weine mit finessenreicher Frucht, charmanter Restsüße und lebendiger Säure. Dazu zählen die Spätlese- und Ausleseweine. Oft werden für diese Weine die Rebsorten Welschriesling, Pinot Blanc, Muskat-Ottonel, Sämling 88, Gewürztraminer und Chardonnay verwendet. Das Wort Spätlese deutet auf einen späten Lesezeitpunkt hin, also eine hohe Reife der Traube bei der Ernte. Die Auslese ist einen Schritt höher im Reifegrad der Traube, also mehr Zucker in der Traube und daher auch mehr Restzucker im Wein, aber die Frucht bleibt im Vordergrund. Diese Weine sind ideale Essensbegleiter zur traditionellen süßen Küche, sämtliche Obstknödel seien nur exemplarisch genannt.

Die Kategorie edelsüß beinhaltet den Stroh-, Schilf- oder Eiswein. Die Weine werden durch eine besondere Art der Lese und Weiterverarbeitung charakterisiert. Der Stroh- oder Schilfwein wird aus Trauben gewonnen, die nach der Ernte für mindestens drei Monate auf Stroh oder Schilf gelagert wurden oder an Schnüren aufgehängt waren und dadurch Wasser verloren haben. Ab einer definierten Konzentration werden die Trauben gepresst und der Wein gekeltert. Beim Eiswein müssen die Trauben bei der Lese und beim Pressen gefroren sein.

Beerenauslese, Ausbruch und Trockenbeerenauslese erfordern die Bildung des Edelschimmelpilzes „Botrytis cinerea“. Dieser Edelschimmelpilz kommt auf der gesamten Welt nur an wenigen Orten auf natürliche Weise vor. Sauternes in Bordeaux in Frankreich und Tokaj in Ungarn sind zwei Regionen neben dem Burgenland. Der Pilz macht die Beerenhaut durchlässig, sodas Wasser aus den Beeren am Rebstock, entweichen kann. Somit wird die Konzentration an Zucker erhöht und diese Raritäten können produziert werden. Oft wird so ein Süßwein zu Schimmelkäse oder Süßspeisen empfohlen, aber er passt auch zu Speisen mit Röstaromen.

Prämierungen für das Burgenland

Die Winzer im Burgenland keltern diese Spezialitäten und liefern somit etwas Einzigartiges für Weinliebhaber. Deshalb wird es heuer wieder den Bewerb „Flüssiges Gold“ im Herbst geben. Ebenso auf der internationalen Bühne sind die Süßweine aus dem Burgenland sehr beliebt, ist doch in den vergangenen Jahren bei der International Wine Challenge in London die Auszeichnung „Sweet Wine Maker of the Year“, meist an einen Winzer aus dem Burgenland gegangen.

Der Süßwein war einst der Wein des Adels und wurde am Hof von Maria Theresia gereicht, jetzt dürfen wir alle davon trinken.